Wer schon länger in Kolumbien lebt und ein Visum R besitzt, das noch unter dem alten Visarecht erteilt wurde, hat eine Frist vor sich: Bis zum 31. Oktober 2026 muss dieses Visum beim Außenministerium umgeschrieben werden. Das Verfahren heißt „traspaso“, auf Deutsch etwa Übertragung. Ohne diesen Schritt stellt Migración Colombia keine neue Cédula de Extranjería aus, also nicht den Ausländerausweis, den du für Bank, Mietvertrag, Arzt und fast jeden Behördengang brauchst.
Die Cancillería hat die Frist in diesem Jahr zweimal öffentlich in Erinnerung gerufen: in einer Mitteilung vom 24. März 2026 und erneut am 15. September 2026. Für viele Rentner und Langzeitresidenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ihr Visum vor Jahren bekommen und seitdem nicht mehr angefasst haben, bleiben damit nur noch wenige Wochen.
Wer betroffen ist
Seit dem 21. Oktober 2022 regelt Kolumbien seine Visa in der Resolución 5477 de 2022 des Außenministeriums. Sie hat die älteren Regelwerke, die Resoluciones 1980 de 2014 und 6045 de 2017, aufgehoben. Für alle, die ihr Visum vorher bekommen hatten, enthält Artikel 123 eine Übergangsregel in drei Teilen:
Ursprünglich hatte Artikel 123 dafür zwei Jahre ab Inkrafttreten vorgesehen, die Frist wäre also im Oktober 2024 abgelaufen. Die Resolución 9316 de 2024, veröffentlicht im Diario Oficial Nr. 52.895 vom 30. September 2024, hat sie in Artikel 3 bis zum 31. Oktober 2026 verlängert. Die konsolidierte Fassung im Normenportal der Cancillería führt diese Verlängerung als einzige Änderung an Artikel 123; eine weitere Verschiebung ist dort nicht verzeichnet, und die Mitteilung vom 15. September 2026 nennt den 31. Oktober 2026 ausdrücklich als spätesten Termin.
Die Eingrenzung vom September
Die Mitteilung vom 15. September präzisiert, wen die Pflicht trifft. Sie gilt nach Angabe der Cancillería nur für Inhaber eines Visums R, dessen Etikett abgelaufen ist, bald abläuft oder mit unbegrenzter Gültigkeit ausgestellt wurde. Wer die Residenz erst kürzlich, also schon nach neuem Recht, erhalten hat, ist nicht gemeint, außer es liegt einer der allgemeinen Traspaso-Gründe aus Artikel 105 vor, etwa ein neuer Pass.
Der Satz mit der unbegrenzten Gültigkeit ist für viele ältere Residenten der wichtigste. Wer sein Visum R vor Jahrzehnten bekommen hat und glaubt, mit einem unbefristeten Etikett sei das Thema erledigt, gehört nach dieser Lesart gerade zu den Betroffenen.
Was das Visum R heute verlangt
Der Traspaso zum Stichtag ist kein einmaliger Sonderfall. Unter der Resolución 5477 ist er Teil des normalen Lebens mit dem Visum R. Deshalb lohnt der Blick auf die Pflichten, die nach dem Umschreiben gelten.
Alle fünf Jahre wieder
Artikel 86 verpflichtet den Hauptinhaber und jeden Begünstigten eines Visums R, alle fünf Jahre den Traspaso zu beantragen, über die digitale Plattform des Ministeriums. Artikel 105 Nummer 6 wiederholt das und setzt hinzu, dass der Antrag mindestens einen Monat vor Ablauf gestellt werden soll. Wer jetzt umschreibt, sollte sich das nächste Datum also gleich notieren.
Daneben kennt Artikel 105 weitere Anlässe für einen Traspaso, die für alle Visa gelten: Verlust oder Diebstahl des Passes, ein neuer Pass, wenn du das Visum übertragen willst, Tippfehler im Visum, die nicht binnen 15 Tagen korrigiert wurden, und Änderungen beim Arbeitgeber. Voraussetzung ist immer, dass du dieselbe Staatsangehörigkeit benutzt, mit der du das Visum bekommen hast. Doppelstaater aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz sollten das im Kopf behalten: Nach Artikel 24 lässt sich ein Visum nicht auf die andere Staatsangehörigkeit übertragen.
Zwei Jahre Abwesenheit beenden das Visum
Das Visum R erlischt automatisch, wenn du Kolumbien zwei Jahre am Stück nicht betrittst. Artikel 88 formuliert das als zwei aufeinanderfolgende, ununterbrochene Jahre, Artikel 112 Nummer 4 als Abwesenheit von mehr als zwei Jahren, und zwar ohne eine Entscheidung der Behörde. Gezählt wird ab dem Ausreisedatum laut Pass oder laut Register von Migración Colombia. Endet ein Visum, hast du nach Artikel 111 30 Kalendertage, um das Land zu verlassen oder ein neues Visum zu beantragen.
Für Residenten, die einen Teil des Jahres in Europa verbringen, ist das selten ein Problem. Für Rentner, die wegen Krankheit oder Familie länger zurückgehen, kann es eines werden.
Arbeit und Meldepflichten
Das Visum R gibt nach Artikel 87 eine offene Arbeitserlaubnis, ausdrücklich aber nicht Rentnern. Wer mit offener Arbeitserlaubnis arbeitet, muss Migración Colombia nach Artikel 119 jeden Wechsel von Tätigkeit, Stelle oder Beruf binnen 15 Kalendertagen melden.
Cédula de Extranjería
Artikel 118 in der Fassung der Resolución 9316 regelt heute die Ausnahmen: Inhaber bestimmter Besuchervisa sind vom Ausländerregister und von der Cédula befreit. Für alle anderen bleibt es bei der Pflicht. Migración Colombia beschreibt sie auf ihrer Seite zur Cédula de Extranjería so: Wer älter als sieben Jahre ist und ein Visum mit mehr als drei Monaten Laufzeit hat, beantragt die Cédula spätestens 15 Kalendertage nach Einreise oder nach Erteilung des Visums im Inland. Der Antrag beginnt online mit dem Formular FUT, danach folgt ein Termin für Fingerabdrücke und Foto. Die Gebühr liegt 2026 bei 294.000 Pesos, die Bearbeitung bei zehn Werktagen ab Zahlung. Wie das in der Praxis abläuft, haben wir im Leitfaden für Rentner in Kolumbien beschrieben.
Der Traspaso und die Cédula hängen zusammen: Die Cancillería nennt den Traspaso in beiden Mitteilungen einen „requisito indispensable“ für die Ausstellung der Cédula, in der Mitteilung vom September ausdrücklich auch für die Aktualisierung des Visumsetiketts. Wer umgeschrieben hat, plant den Ausweis also gleich mit ein.
Die Unterlagen für den Traspaso
Was du einreichen musst, steht in Artikel 106, den die Resolución 9316 neu gefasst hat:
1. die allgemeinen Voraussetzungen jedes Visumantrags,
2. eine Kopie des Visums, das übertragen werden soll, und der zugehörigen Cédula de Extranjería,
3. das Certificado de Movimientos Migratorios von Migración Colombia,
4. ein Nachweis der Tätigkeit, die du in Kolumbien ausübst,
5. ein Schreiben, in dem du den Grund des Traspaso nennst.
Die allgemeinen Voraussetzungen stehen in Artikel 24: das elektronische Antragsformular, ein aktuelles digitales Farbfoto vor weißem Hintergrund und ein Pass, der beim Antrag noch mindestens sechs Monate gilt, mit Kopie der Datenseite. Wer den Antrag in Kolumbien stellt, fügt die Passseite mit dem letzten Einreisestempel bei. Läuft dein Pass bald ab, ist es sinnvoll, zuerst den neuen Pass zu besorgen und dann umzuschreiben, sonst steht der nächste Traspaso wegen des Passwechsels gleich wieder an.
Zwei Regeln aus dem allgemeinen Teil werden leicht übersehen. Nach Artikel 20 dürfen Unterlagen außer dem Pass höchstens drei Monate alt sein, wenn du den Antrag einreichst. Und nach Artikel 21 braucht jedes im Ausland ausgestellte Dokument eine Apostille oder Legalisation und eine amtliche Übersetzung ins Spanische; Kontoauszüge sind davon unter Bedingungen ausgenommen.
Neu seit 2024: kein Salvoconducto mehr, dafür die Tätigkeit
Die Resolución 9316 hat zwei Dinge geändert. In der alten Fassung von Artikel 106 musste, wer den Traspaso eines Visums R nicht vor dessen Ablauf beantragt hatte, ein Salvoconducto vorlegen, also eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis von Migración Colombia. Diese Pflicht ist gestrichen. Die Begründung der Resolution sagt dazu, das Visum R habe unbefristeten Charakter. Neu ist dafür der Nachweis der Tätigkeit, und die Kopie der Cédula ist jetzt ohne Einschränkung verlangt. Ziel des Traspaso sei es, so die Begründung, die Daten der in Kolumbien lebenden Ausländer zu aktualisieren.
Was als Nachweis der Tätigkeit genügt, legt Artikel 106 nicht fest. Für Rentner liegt ein aktueller Rentennachweis nahe, für Selbständige oder Angestellte eine Bescheinigung über die laufende Tätigkeit. Stammt dieser Nachweis aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, gelten die Regeln aus Artikel 20 und 21: frisch, apostilliert und übersetzt.
Visum aus der Zeit vor 2000
Für die ältesten Fälle gibt es seit 2024 eine eigene Regel. Wer sein Visum R vor dem Jahr 2000 bekommen hat und keine Kopie mehr vorlegen kann, reicht nach dem Paragrafen zu Artikel 106 stattdessen ein:
Dabei gibt es einen praktischen Haken. Migración Colombia stellt das Certificado de Movimientos Migratorios online nur für die letzten zehn Jahre oder ab 2012 aus. Wer Bewegungen vor 2012 belegt haben will, muss einen Termin in einem Servicezentrum der Behörde vereinbaren, persönlich erscheinen und begründen, wofür er das Zertifikat braucht. Wer ein Visum aus den Neunzigern umschreiben muss, kommt um diesen Termin kaum herum und sollte ihn sofort buchen.
So läuft der Antrag
Der Traspaso ist nach Angabe der Cancillería vollständig virtuell. Er läuft über das Antragsportal des Außenministeriums. Das Ablaufschema der Cancillería beschreibt die Schritte:
1. Im Visaformular die Option „traspaso“ wählen.
2. Die Art des Traspaso und den Zeitraum angeben, in dem das jetzige Visum erteilt wurde.
3. Die Daten ausfüllen, die Unterlagen hochladen und die Studiengebühr bezahlen. Erst mit der Zahlung ist der Antrag bestätigt.
Die Cancillería rät in beiden Mitteilungen, den Antrag direkt und ohne Vermittler zu stellen, um die eigenen Daten zu schützen und das Verfahren transparent zu halten. Persönlich erscheinen musst du nur, wenn die Visabehörde das verlangt: Nach Artikel 24 kann sie die Originale sehen oder dich befragen wollen, und laut ihrer Kostenseite fordert sie das per E-Mail an.
Die Reihenfolge, die Zeit spart
1. Pass prüfen. Gilt er beim Antrag noch mindestens sechs Monate?
2. Certificado de Movimientos Migratorios beantragen. Online, wenn die letzten zehn Jahre oder die Zeit ab 2012 reichen, sonst Termin buchen.
3. Tätigkeitsnachweis besorgen, bei ausländischen Dokumenten mit Apostille und Übersetzung.
4. Unterlagen sammeln: Kopie von Visum und Cédula, Foto, Begründungsschreiben, bei Visa vor 2000 die eidesstattliche Erklärung.
5. Antrag online stellen und die Studiengebühr zahlen.
6. Nach der Erteilung die neue Cédula bei Migración Colombia beantragen, innerhalb von 15 Kalendertagen.
Was es kostet
Die Cancillería führt die Gebühren auf ihrer Kostenseite für den Traspaso. In Kolumbien und im übrigen Ausland sind es 56 US-Dollar für die Prüfung des Antrags und 56 US-Dollar für das Visum, zusammen 112 US-Dollar. Wer bei einem Konsulat in Europa oder Kuba beantragt, zahlt 44 Euro und 42 Euro. Bezahlen lässt sich über PSE, mit Kreditkarte, an Servibanca-Automaten oder bar in Pesos bei der Banco GNB Sudameris.
Dazu kommen die Gebühren von Migración Colombia nach den Tarifen für 2026: 89.000 Pesos für das Certificado de Movimientos Migratorios und 294.000 Pesos für die neue Cédula de Extranjería. Kosten für Apostillen und Übersetzungen hängen davon ab, wo das Dokument herkommt.
Was nach dem 31. Oktober passiert
Ehrlich gesagt: Die Quellen sagen es nicht. Weder die Resolución 5477 noch die Resolución 9316 noch die Mitteilungen vom März und September nennen eine Folge für den Fall, dass die Frist verstreicht. Es gibt keine Bußgeldregel zum Traspaso, keine Aussage, dass das alte Visum mit dem 31. Oktober erlischt, und keine Regel für verspätete Anträge. Die frühere Pflicht, bei verspätetem Traspaso ein Salvoconducto vorzulegen, ist 2024 gestrichen worden, ohne dass eine neue Regel an ihre Stelle getreten ist.
Fest steht nur zweierlei. Erstens sagt Artikel 123 selbst, dass vor dem 21. Oktober 2022 erteilte Visa ihre Gültigkeit behalten; wie sich das zur Frist verhält, lässt die Norm offen. Zweitens nennt die Cancillería den Traspaso eine unverzichtbare Voraussetzung für die Cédula. Ohne gültigen Ausländerausweis wird der Alltag in Kolumbien schnell mühsam, bei Bank, Notar und Behörden. Wer sich nicht auf eine Auslegung nach Fristablauf verlassen will, stellt den Antrag deshalb vor dem 31. Oktober.
Der Blick nach Hause
Für Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist vor allem die Apostille wichtig. Alle drei Länder sind Vertragsstaaten des Haager Apostille-Übereinkommens, für Kolumbien gilt es laut Statustabelle der Haager Konferenz seit dem 30. Januar 2001. Eine Legalisation durch das Konsulat ist damit nicht nötig, die Apostille der zuständigen Stelle im Heimatland reicht. Welche Stelle das ist, hängt davon ab, wer die Urkunde ausgestellt hat; den Weg für die gängigen Dokumente beschreibt unser Apostille-Fahrplan für Lateinamerika. Da die Unterlagen nach Artikel 20 nicht älter als drei Monate sein dürfen, lohnt es sich nicht, Bescheinigungen auf Vorrat zu apostillieren.
Wer bei der Gelegenheit seinen Status insgesamt neu ordnet, findet den Überblick über die kolumbianischen Visa in unserem Beitrag zur Aufenthaltsgenehmigung in Kolumbien. Für Residenten, die irgendwann den kolumbianischen Pass wollen, ist das Visum R die Grundlage der Einbürgerung, wie im Beitrag zur kolumbianischen Staatsbürgerschaft beschrieben. Steuern, Lebenshaltung und Residenzwege im Zusammenhang zeigt die Länderseite Kolumbien.
Das Leben ist kurz und vergänglich. Ein Schuss. Mach was draus.
Carpe Diem

