Wer mit einer Rente aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Kolumbien ziehen will, stößt auf eine Zahl, die kaum jemand sauber nennt: Wie hoch muss die Rente eigentlich sein? Die Antwort steht in einer einzigen Vorschrift, sie hängt aber an einem Wert, der 2026 ausgerechnet vor Gericht liegt. Dazu kommen Gebühren, ein Ausweis, ein Krankenschutz, den das Visum ausdrücklich verlangt, und eine Steuerfrage, die für Rentner in Kolumbien ungewöhnlich freundlich ausfällt. Der Stand vom September 2026 lässt sich Schritt für Schritt an den Fundstellen ablesen.
Das Visum M Pensionado: was die Vorschrift verlangt
Kolumbien regelt seine Visa in der Resolución 5477 de 2022 des Außenministeriums. Für Rentner ist Artikel 77 zuständig, die Visa M Pensionado. Sie richtet sich an Ausländer, die ein konstantes monatliches Einkommen aus einer Rente beziehen, und zwar aus einer staatlichen Rente oder aus einem privaten Pensionsfonds. Das M steht für Migrante, also für den Einwanderertitel, nicht für einen Besuch.
Die besonderen Voraussetzungen sind überschaubar:
Die allgemeinen Voraussetzungen aus Artikel 24 kommen dazu: der Onlineantrag, ein digitales Passfoto nach den technischen Vorgaben und ein Reisepass, der bei Antragstellung noch mindestens sechs Monate gültig ist. Stellst du den Antrag aus Kolumbien heraus, brauchst du zusätzlich den Nachweis deiner letzten legalen Einreise.
Das Visum gilt bis zu drei Jahre. Es erlaubt dir ausdrücklich nicht, in Kolumbien zu arbeiten. Mitnehmen kannst du laut der Visa-Übersicht der Cancillería wirtschaftlich abhängige Angehörige: Ehepartner oder feste Lebenspartner, Kinder bis 25 Jahre und Kinder mit Behinderung.
Ein Punkt, der in vielen Ratgebern fehlt: Artikel 77 sagt wörtlich, dass dir dieses Visum keinen Zugang zum kolumbianischen Sozialversicherungssystem gibt, außer ein bilaterales oder multilaterales Abkommen sieht etwas anderes vor. Genau deshalb verlangt die Vorschrift den privaten Krankenschutz. Plane ihn als festen Kostenblock, nicht als Formalie für den Antrag.
Die Rentenhöhe 2026: 5.252.715 Pesos, vorläufig
Die Schwelle ist in Mindestlöhnen formuliert, auf Spanisch salario mínimo mensual legal vigente, kurz SMMLV. Drei davon muss deine Rente erreichen. Der Mindestlohn für 2026 hat allerdings eine ungewöhnliche Geschichte.
Die Regierung hatte ihn mit dem Decreto 1469 vom 29. Dezember 2025 auf 1.750.905 Pesos festgesetzt, ein Plus von 23 Prozent. Der Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht, hat dieses Dekret am 12. Februar 2026 vorläufig ausgesetzt und die Regierung verpflichtet, binnen acht Tagen einen Übergangswert festzulegen, der bis zum Urteil in der Hauptsache gilt. Die Regierung hat das mit dem Decreto 0159 vom 19. Februar 2026 getan und denselben Betrag erneut festgesetzt, diesmal ausdrücklich „transitoriamente". Artikel 2 des Dekrets bindet seine Geltung an das Nichtigkeitsverfahren mit dem Aktenzeichen 11001-03-25-000-2026-00004-00. Ein Urteil ist bis heute nicht verzeichnet.
Für dich heißt das:
Zwei Dinge solltest du daraus mitnehmen. Erstens bewegt sich die Schwelle jedes Jahr mit dem Mindestlohn, und 2026 kann sie sich theoretisch sogar mitten im Jahr bewegen, falls der Staatsrat den Übergangswert kippt. Zweitens rechnet die Behörde in Pesos, deine Rente kommt aber in Euro oder Franken. Wer knapp über der Grenze liegt, kann durch eine Kursbewegung darunter rutschen. Ein Puffer von einigen hundert Euro ist deshalb keine Vorsicht, sondern Planung. Eurobeträge, die du anderswo liest, prüfst du am besten gegen diese Rechnung: Mindestlohn des laufenden Jahres mal drei, geteilt durch den aktuellen Kurs.
Wichtig ist auch das Wort lebenslang. Eine befristete Zeitrente oder eine Auszahlung aus einem Sparplan erfüllt die Vorschrift nicht. Die Bescheinigung muss zeigen, dass die Zahlung monatlich und auf Lebenszeit läuft. Die gesetzliche Rente der Deutschen Rentenversicherung, der österreichischen Pensionsversicherung oder der AHV erfüllt das in aller Regel, betriebliche und private Renten musst du im Einzelfall so bescheinigen lassen.
Was der Weg kostet
Die Gebühren setzt das Außenministerium fest und veröffentlicht sie je Visumsart. Für das Visum M Pensionado gelten zwei Posten:
| Posten | Europa (Euro) | Kolumbien und übrige Welt (US-Dollar) |
|---|---|---|
| Prüfung des Antrags (Estudio) | 44 | 56 |
| Ausstellung des Visums | 191 | 279 |
Die Prüfgebühr zahlst du mit dem Antrag, sie ist bei einer Ablehnung weg. Die Ausstellungsgebühr fällt erst nach der Zusage an. Nach Artikel 13 der Resolution hat die Visabehörde ab vollständigem Antrag und bezahlter Prüfgebühr bis zu 30 Kalendertage für ihre Entscheidung, bei Rückfragen an andere Behörden auch länger. Nach Zahlung der Ausstellungsgebühr kommt das elektronische Visum laut Artikel 101 binnen zehn Werktagen per E-Mail.
Danach folgt der Ausweis. Wer ein Visum mit mehr als drei Monaten Laufzeit hat, erhält von der Migrationsbehörde die Cédula de Extranjería. Sie kostet nach den Tarifen von Migración Colombia für 2026 294.000 Pesos, zum Septemberkurs gut 90 US-Dollar. Die Resolution beschreibt sie als dein Identifikationsdokument im Land, und sie muss zum Visum passen: Läuft das Visum aus oder wird es übertragen, zieht die Cédula nach.
Die größeren Kosten liegen woanders. Apostillen und beglaubigte Übersetzungen für Rentenbescheinigung und Führungszeugnis, das ärztliche Attest und vor allem die private Krankenversicherung, deren Preis vom Eintrittsalter und vom Leistungsumfang abhängt. Weil das Visum dich vom öffentlichen System ausschließt, läuft sie nicht einmalig, sondern jedes Jahr, solange du im Land lebst. Wie du Krankenschutz in der Region grundsätzlich aufbaust, steht im Leitfaden zur Krankenversicherung in Lateinamerika.
Wie lange das Visum hält und wann der Daueraufenthalt kommt
Drei Regeln aus der Resolution entscheiden darüber, ob dein Titel über die Jahre trägt.
Abwesenheit. Nach Artikel 65 erlischt ein M-Visum automatisch, wenn du dich mehr als 180 Tage am Stück außerhalb Kolumbiens aufhältst, gerechnet in jedem 365-Tage-Zeitraum ab Ausstellung. Wer den Sommer in Europa verbringt, ist davon weit entfernt. Wer aber nach einer Operation oder wegen eines Pflegefalls in der Familie ein halbes Jahr in der Heimat bleibt, verliert den Titel ohne jede Mitteilung der Behörde.
Verlängerung. Nach drei Jahren beantragst du das Visum neu und weist die Rente erneut nach, dann zum dann geltenden Mindestlohn.
Daueraufenthalt. Nach Artikel 90 in der Fassung der Resolución 10434 de 2023 führen fünf Jahre als Inhaber eines Visums M Pensionado zum Visum R, dem Residente Permanente. Du brauchst dafür unter anderem die Kopien deiner bisherigen Visa, eine Bescheinigung deiner Ein- und Ausreisen und eine Erklärung, dass die Voraussetzungen fortbestehen. Das R-Visum wird alle fünf Jahre übertragen und erlischt erst nach zwei Jahren ununterbrochener Abwesenheit. Eine Einschränkung bleibt: Artikel 87 gibt Inhabern des R-Visums eine offene Arbeitserlaubnis, nimmt Rentner davon aber ausdrücklich aus.
Wie die übrigen Visa aussehen, etwa das Investorenvisum über Immobilien, steht im Überblick zur Aufenthaltsgenehmigung in Kolumbien. Dort galt die Rentenschwelle bisher als offene Frage, für 2026 ist sie mit 5.252.715 Pesos beziffert.
Die Rente und das kolumbianische Steuerrecht
Ein Visum allein macht dich nicht steuerpflichtig. Nach Artikel 10 des Estatuto Tributario wirst du in Kolumbien steuerlich ansässig, wenn du dich mehr als 183 Tage innerhalb eines beliebigen Zeitraums von 365 aufeinanderfolgenden Tagen im Land aufhältst, Ein- und Ausreisetage mitgezählt. Wer als Rentner wirklich dort lebt, erreicht das. Ansässige versteuern grundsätzlich ihr Welteinkommen.
Für Renten gibt es eine Besonderheit. Artikel 206 Nummer 5 stellt Renten nur in dem Teil der Monatszahlung steuerpflichtig, der 1.000 UVT übersteigt. Seit der Reform durch die Ley 2277 de 2022 steht in Paragraf 3 ausdrücklich, dass diese Behandlung auch für im Ausland erworbene Renten gilt. Die Steuerwerteinheit UVT liegt laut DIAN für 2026 bei 52.374 Pesos. Die Freigrenze beträgt damit 52.374.000 Pesos im Monat, knapp das Zehnfache der Visumsschwelle. Eine übliche Altersrente aus dem deutschsprachigen Raum bleibt in Kolumbien also unbelastet.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Paragraf 3 verlangt, dass du die Voraussetzungen erfüllst, die das kolumbianische Rentenrecht (Ley 100 de 1993) für den Rentenzugang aufstellt. Bei einer regulären Altersrente ist das selten ein Problem, bei Frührenten solltest du es prüfen lassen. Und die Befreiung gilt nur für die Rente. Zinsen, Dividenden, Mieten und Veräußerungsgewinne fallen in die normale Besteuerung. Ansässige mit Auslandsvermögen von mehr als 2.000 UVT, 2026 also rund 104,7 Millionen Pesos, müssen dieses Vermögen zudem jährlich in einer eigenen Erklärung melden, und ab 72.000 UVT greift die Vermögensteuer.
Was dein Herkunftsland dazu sagt
Hier unterscheiden sich die drei Länder deutlich.
Deutschland. Zwischen Deutschland und Kolumbien gibt es kein Doppelbesteuerungsabkommen für die Einkommensteuer. Die Übersicht des Bundesfinanzministeriums zum 1. Januar 2026 führt nur ein Sonderabkommen für Schifffahrt und Luftfahrt von 1965 und ein erstmaliges Abkommen im Stadium der Verhandlung. Deine gesetzliche Rente bleibt deshalb nach § 49 Absatz 1 Nummer 7 EStG in Deutschland beschränkt steuerpflichtig, auch wenn du dich abmeldest. Weil Kolumbien die Rente bis zur UVT-Grenze freistellt, entsteht in der Praxis keine doppelte Last, sondern eine einfache in Deutschland.
Österreich. Auch Österreich hat laut DBA-Liste des Finanzministeriums kein Abkommen mit Kolumbien. Pensionen gelten nach § 25 EStG 1988 als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, und § 98 Absatz 1 Ziffer 4 EStG 1988 erfasst sie bei beschränkter Steuerpflicht, wenn die zugrunde liegende Tätigkeit in Österreich ausgeübt wurde oder die Zahlung aus inländischen öffentlichen Kassen kommt. Das Ergebnis ähnelt dem deutschen.
Schweiz. Die Schweiz hat mit Kolumbien ein Doppelbesteuerungsabkommen, in Kraft seit dem 11. September 2011. Für Renten aus der zweiten Säule zieht die Schweiz bei Wohnsitz im Ausland zunächst die Quellensteuer nach Art. 96 DBG ab. Welcher Staat am Ende welche Rente besteuern darf und ob du den Abzug zurückholst, regelt das Abkommen je Rentenart.
Die Rechenwege für alle drei Länder und die Frage, wie sich die Abkommenslage in der Region verteilt, sind im Beitrag zur deutschen Rente in Lateinamerika ausführlich aufbereitet.
Worauf es in der Praxis ankommt
Aus den Vorschriften ergibt sich eine sinnvolle Reihenfolge. Zuerst die Rentenbescheinigung, weil sie die einzige wirklich harte Hürde ist: Sie muss die lebenslange Zahlung und den Monatsbetrag zeigen und apostilliert oder konsularisch bestätigt sein. Danach die Führungszeugnisse aus allen Ländern der letzten drei Jahre, weil die Beschaffung über Behörden im Ausland am längsten dauert. Parallel die Krankenversicherung, die ab dem Tag der Einreise den ganzen Aufenthalt abdecken muss.
Rechne die Schwelle mit Puffer und prüfe sie vor jeder Verlängerung neu, denn Mindestlohn und Wechselkurs ändern sich. Führe über deine Aufenthaltstage Buch, schon wegen der 180-Tage-Regel für das Visum und der 183-Tage-Regel für die Steuer. Und entscheide bewusst, wo du leben willst: Klima, Höhenlage und Sicherheitslage unterscheiden sich zwischen Medellín, Bogotá, der Kaffeeregion und der Karibikküste stark. Die Einschätzung der Sicherheitslage in Kolumbien und die Erfahrungen von Auswanderern helfen bei dieser Wahl, das Länderprofil Kolumbien fasst Residenz, Steuern und Staatsbürgerschaft zusammen.
Wer tiefer in den Ruhestand selbst einsteigen will, also Pflege, Erbrecht und Alltag im Alter, findet das Länderprofil auf unserer Schwesterseite Ruhestand im Ausland zu Kolumbien.
Das Leben ist kurz und vergänglich. Ein Schuss. Mach was draus.
Carpe Diem

