Wer über einen Umzug nach Mexiko nachdenkt, liest viel über Einkommensschwellen, Konsulatstermine und Gebühren. Wie viele Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den Schritt tatsächlich machen, steht dagegen selten irgendwo. Dabei veröffentlicht das mexikanische Innenministerium genau diese Zahl jeden Monat. Die aktuelle Auswertung für Januar bis Juli 2026 zeigt eine deutliche Bewegung: 451 Deutsche erhielten in diesen sieben Monaten die Karte für den Daueraufenthalt, mehr als doppelt so viele wie im selben Zeitraum 2025. Bei der befristeten Residenz blieb die Zahl dagegen fast gleich.
Die Zahlen stammen aus dem Statistikbulletin der Unidad de Política Migratoria, Registro e Identidad de Personas (UPM), einer Einheit des Innenministeriums SEGOB. Die UPM wertet die Register der Ämter der Migrationsbehörde INM aus. Gezählt werden nur Verfahren mit positivem Bescheid, bei denen die Karte ausgestellt und tatsächlich übergeben wurde. Anträge, die noch laufen oder abgelehnt wurden, tauchen nicht auf. Die Tabellen für 2026 tragen den Vermerk „Información preliminar“, also vorläufige Zahlen, und die UPM weist darauf hin, dass sie von späteren Regierungsberichten abweichen können. Die Vergleichswerte für 2025 stammen aus denselben Tabellen der UPM für Januar bis Juli 2025, es stehen also immer gleich lange Zeiträume nebeneinander.
Zwei Karten, zwei Stufen
Mexiko kennt für Ausländer, die länger als ein Touristenaufenthalt bleiben, zwei Hauptformen. Die Residente Temporal erlaubt nach Artikel 52 der Ley de Migración einen Aufenthalt von bis zu vier Jahren, mit beliebig vielen Ein- und Ausreisen. Die Residente Permanente ist unbefristet. Artikel 54 desselben Gesetzes zählt auf, wer sie bekommt, unter anderem:
Wie die Einkommens- und Vermögensschwellen für beide Karten aktuell aussehen, erklärt unser Leitfaden zum Solvenznachweis für Mexiko. Für das Verständnis der Statistik reicht: Die befristete Karte ist der übliche Einstieg, die unbefristete das Ziel.
Die Kernzahlen Januar bis Juli 2026
Daueraufenthalt (Residente Permanente):
Befristete Residenz (Residente Temporal):
Bei der unbefristeten Karte hat sich die Zahl der Deutschen also mehr als verdoppelt, ein Plus von 118 Prozent. Insgesamt stieg die Zahl aller dauerhaften Karten um 19 Prozent, die deutsche Entwicklung liegt damit weit über dem Durchschnitt. Bei Österreich ist der Sprung prozentual noch größer, die Zahlen sind aber so klein, dass schon wenige Familien den Ausschlag geben. Die Schweiz legte um 30 Prozent zu.
Auch für die beiden kleineren Herkunftsländer weist die UPM die Kategorien aus. Von den 40 Österreichern mit Daueraufenthalt kamen 10 über die Familie, 11 über Arbeit, 2 als Rentista und 17 über die Sammelkategorie Otros. Bei den 61 Schweizern waren es 17 über die Familie, 10 über Arbeit, 8 als Rentista und 26 über Otros. Bei der befristeten Karte verteilen sich die 34 Österreicher auf 17 Familienkarten, 6 Arbeitskarten, 1 Rentista, 4 Studierende und 6 Otros, die 51 Schweizer auf je 14 Familien- und Arbeitskarten, 1 Rentista, 3 Studierende und 19 Otros.
Bei der befristeten Karte bewegt sich wenig: 410 Deutsche nach 420 im Vorjahr. Zusammengenommen erhielten damit von Januar bis Juli 2026 861 Deutsche eine der beiden Karten, nach 627 im Vorjahr.
Zur Größenordnung: Unter allen dauerhaften Karten machen Deutsche gut 1 Prozent aus. Bürger der Vereinigten Staaten erhielten im selben Zeitraum 6.921 Karten für den Daueraufenthalt und 6.306 für den befristeten, Kanadier 2.796 und 962. Unter den europäischen Herkunftsländern rückte Deutschland bei der unbefristeten Karte vom fünften auf den dritten Platz vor, hinter Spanien (649) und Russland (464), aber vor Frankreich (397), Italien (315) und dem Vereinigten Königreich (302).
Monat für Monat
Die deutschen Zahlen bei der Residente Permanente verteilten sich 2026 so: Januar 68, Februar 42, März 74, April 66, Mai 58, Juni 82, Juli 61. Es gibt also keinen einzelnen Ausreißermonat, der den Anstieg erklärt. Jeder Monat 2026 lag über dem entsprechenden Monat 2025, in dem die Werte zwischen 16 und 55 lagen. Am knappsten war der Abstand im Juli, als 2025 mit 55 Karten der stärkste Monat des Vorjahres war.
Bei der befristeten Karte schwanken die deutschen Monatswerte stärker: 80 im Januar, 50 im Februar, 78 im März, danach 48, 41, 56 und 57. Im Vorjahr lag der Juni mit 87 Karten an der Spitze.
Auf welchem Weg Deutsche kommen
Die UPM ordnet jede Karte einer groben Kategorie zu. Die Definitionen stehen in den Tabellen selbst: Familie umfasst auch wirtschaftlich abhängige Angehörige, Arbeit alle, deren Aufenthaltsgrund eine Beschäftigung oder ein Jobangebot ist. Unter Rentista fasst die UPM Immobilien- und Vermögenseigentümer, Investoren sowie Rentner und Pensionäre zusammen. Otros sammelt Forschungsprojekte, öffentliches Interesse und weitere Gründe.
Bei den Deutschen mit Daueraufenthalt sieht die Aufteilung so aus (in Klammern 2025):
Gewachsen sind alle vier Gruppen, am stärksten aber die Sammelkategorie Otros, die sich fast vervierfacht hat. Auch die Familie legte um 72 Prozent zu, und die Rentista-Gruppe stieg von 14 auf 36. Welche gesetzlichen Wege genau darin stecken, schlüsselt die Tabelle nicht weiter auf. Auch über alle Nationalitäten hinweg ist Otros die Kategorie mit dem größten Zuwachs, von 3.444 auf 8.888, während die Karten aus humanitären Gründen von 12.208 auf 8.053 zurückgingen. Die Rentista-Gruppe wuchs über alle Nationalitäten um ein Drittel, von 2.947 auf 3.933, die Familienkarten von 10.339 auf 13.987.
Bei der befristeten Residenz der Deutschen dominieren Arbeit und Familie:
Hier ging die Zahl der Arbeitskarten um ein Fünftel zurück, dafür kamen deutlich mehr Familienangehörige. Wer über eine Anstellung nach Mexiko geht, findet die Voraussetzungen in unserem Beitrag zum Arbeitsvisum in Mexiko.
Bemerkenswert ist die kleine Zahl in der Kategorie Rentista bei der befristeten Karte. Die UPM bildet Rentner, Pensionäre und Vermögende in einer gemeinsamen Gruppe ab, die bei den Deutschen auf nur 7 Karten kommt. Die Kategorien der Statistik sind nicht deckungsgleich mit den Visumswegen, die du beim Konsulat beantragst, deshalb lässt sich aus ihr nicht ablesen, wie viele Deutsche über den Solvenznachweis gekommen sind.
Wohin Deutsche ziehen
Die Tabellen nach Bundesstaat zeigen, wo die Karte beantragt und ausgehändigt wurde. Das ist in der Regel der Ort, an dem jemand lebt.
Daueraufenthalt, Deutsche, Januar bis Juli 2026 (in Klammern 2025):
Quintana Roo an der Karibikküste und die Hauptstadt liegen klar vorn, zusammen stehen sie für fast die Hälfte der deutschen Daueraufenthaltskarten. In beiden hat sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Yucatán, Baja California Sur und Oaxaca wuchsen ebenfalls kräftig, Yucatán sogar von 7 auf 24.
Bei der befristeten Residenz ergibt sich ein anderes Bild: Ciudad de México 90, San Luis Potosí 65, Puebla 54, Quintana Roo 39, Querétaro 33, Jalisco 21. Hier stehen San Luis Potosí, Puebla und Querétaro weit vorn, die bei der Daueraufenthaltskarte nur eine kleine Rolle spielen. Das passt zum hohen Anteil der Arbeitskarten bei der befristeten Residenz.
Die Gemeinden im Detail
Für die Karte des Daueraufenthalts gibt es zusätzlich eine Tabelle nach Wohngemeinde, also nach dem Ort, den die Karteninhaber als Wohnsitz angeben. Sie listet die rund fünfzig Gemeinden mit den meisten Karten einzeln auf. Bei den Deutschen liegt dort Solidaridad mit Playa del Carmen mit 50 Karten vorn, gefolgt von Benito Juárez mit Cancún (30). In der Hauptstadt verteilen sich die Deutschen auf mehrere Bezirke: Cuauhtémoc 21, Benito Juárez 20, Miguel Hidalgo 16 und Coyoacán 10.
Dahinter folgen Mérida mit 20, San Miguel de Allende im Bundesstaat Guanajuato mit 19, Tulum und die Stadt San Luis Potosí mit je 17 sowie La Paz in Baja California Sur mit 16. Allein die vier Gemeinden an der Karibikküste, Solidaridad, Benito Juárez, Tulum und Cozumel, kommen zusammen auf 104 der 451 deutschen Karten.
Wohin Ausländer insgesamt ziehen
Zum Vergleich lohnt der Blick auf alle Nationalitäten. Die meisten Daueraufenthaltskarten wurden von Januar bis Juli 2026 in Chiapas ausgehändigt (7.276, nach 10.871 im Vorjahr), gefolgt von der Ciudad de México (7.213 nach 5.126) und Quintana Roo (4.959 nach 3.480). Dahinter folgen Jalisco (2.698), Baja California Sur (2.043) und Yucatán (1.907). Chiapas an der Grenze zu Guatemala spielt bei den deutschen Karten dagegen keine nennenswerte Rolle.
Bürger der Vereinigten Staaten konzentrieren sich auf andere Regionen als die Deutschen: Ihre Daueraufenthaltskarten wurden vor allem in Jalisco (1.008), Baja California Sur (933) und Quintana Roo (879) ausgehändigt. Die Hauptstadt folgt bei ihnen erst auf Platz vier. Nach Wohngemeinde liegt bei den US-Bürgern San Miguel de Allende mit 541 Karten vorn, vor Los Cabos (466) und Puerto Vallarta (451). Wer also in Quintana Roo oder in der Hauptstadt lebt, trifft eher auf andere Deutsche, wer nach Jalisco oder Baja California Sur zieht, eher auf US-Amerikaner.
Was die Zahlen für deine Planung bedeuten
Die Statistik zeigt nicht, warum mehr Deutsche den Daueraufenthalt erhalten. Sie zeigt aber, dass es sich nicht um einen Einmaleffekt in einem Monat handelt und dass der Anstieg über alle Kategorien und die wichtigsten Bundesstaaten geht.
Wenn du mit der befristeten Karte startest: Die Statistik bestätigt, dass dieser Weg weiter der Standard ist. Nach vier Jahren steht dir laut Artikel 54 der Wechsel in die unbefristete Residenz offen. Was sich bei den Gebühren für beide Karten zum kommenden Jahr ändert, steht in unserem Beitrag zu den mexikanischen Gebühren für 2027.
Wenn du direkt in den Daueraufenthalt willst: Rentner mit ausreichender Pension und Familienangehörige mexikanischer Staatsbürger können ihn ohne Zwischenstufe beantragen. Die steigenden Zahlen sagen nichts darüber aus, ob die Konsulate dabei großzügiger prüfen; die UPM zählt nur positive Bescheide, keine Quoten.
Wenn du an die Steuern denkst: Eine Residenzkarte, ob befristet oder unbefristet, macht dich in Mexiko nicht automatisch steuerlich ansässig. Wie Aufenthaltstitel und Steuerresidenz zusammenhängen, erklärt der Leitfaden zum Aufenthalt in Mexiko. Für den Wegzug selbst gelten die Regeln deines Heimatlands, also Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz, und die unterscheiden sich deutlich. Die Eckdaten zu Steuern und Aufenthalt stehen auf der Länderseite Mexiko.
Wie aktuell die Zahlen sind
Die UPM veröffentlicht ihr Bulletin monatlich, mit einigen Wochen Verzug. Die Tabellen bis Juli 2026 wurden laut Dateiangaben im September gespeichert. Weil die Zahlen vorläufig sind, können sich einzelne Werte in späteren Fassungen noch verschieben, für die Größenordnung des Anstiegs spielt das keine Rolle. Alle Tabellen stehen auf der Seite der UPM als Excel-Dateien zum Herunterladen, aufgeschlüsselt nach Nationalität, Kategorie, Bundesstaat und Gemeinde.

