Mexiko dreht für 2027 an mehreren Gebühren, die Auswanderer direkt betreffen. Das Konsulatsvisum wird deutlich teurer, die Abgabe für Touristen steigt, und wer an der Küste eine Wohnung über einen Fideicomiso kauft, zahlt für die staatliche Erlaubnis spürbar mehr. Die Abgeordnetenkammer hat die Reform am 13. Oktober 2026 beschlossen. Was genau drinsteht, was gleich bleibt und was du jetzt tun kannst, lässt sich an den Parlamentsdokumenten selbst ablesen.
Alle Beträge in diesem Text stehen in mexikanischen Pesos (MXN), wie im Gesetz. Zur Orientierung rechnen wir sie mit dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 21. Oktober 2026 um: 1 Euro entsprach 20,7632 Pesos. Der tatsächliche Eurobetrag hängt vom Kurs am Tag der Zahlung ab.
Was beschlossen ist und was noch fehlt
Die Gebühren für staatliche Leistungen stehen in Mexiko in einem eigenen Gesetz, der Ley Federal de Derechos. Die Regierung hat ihre Änderungen für 2027 am 8. September als Teil des Haushaltspakets eingebracht. Die Gesetzesinitiative des Präsidialamts ist im Parlamentsanzeiger Gaceta Parlamentaria veröffentlicht. Der Finanzausschuss der Abgeordnetenkammer hat sie mit einer wichtigen Änderung übernommen, dazu gleich mehr. Sein Dictamen vom 13. Oktober liegt ebenfalls in der Gaceta.
Am selben Abend hat das Plenum abgestimmt. Laut der amtlichen Übersicht der Kammer fiel die Abstimmung im Grundsatz mit 329 zu 117 Stimmen, die zur Einzelabstimmung vorbehaltenen Artikel wurden im Sinne des Dictamen angenommen. Danach ging der Entwurf an den Senat.
Damit ist die Reform noch nicht Gesetz. Der Senat muss zustimmen, danach wird sie im Amtsblatt DOF veröffentlicht. Laut der ersten Übergangsbestimmung tritt sie dann am 1. Januar 2027 in Kraft. Der Senat kann noch Änderungen vornehmen.
Das Konsulatsvisum wird teurer
Die größte Änderung für Auswanderer betrifft die Visa, die mexikanische Konsulate in ausländische Pässe stempeln. Nach Artikel 22 Fraktion III der Ley Federal de Derechos kostet heute
Ab 2027 sollen beide 1.639,80 Pesos kosten, rund 79 Euro. Das gewöhnliche Visum wird damit um gut 65 Prozent teurer, das Langzeit-Besuchervisum um 153 Prozent. Der Finanzausschuss hat diesen Teil der Initiative unverändert übernommen. Die Regierung begründet den Schritt damit, dass beide Visa denselben Prüfaufwand verursachen und die bisherigen Gebühren die Kosten der Konsulate nicht decken. Nach ihren Angaben haben die mexikanischen Vertretungen 2025 insgesamt 193.878 Visa ausgestellt, 77 Prozent davon gebührenpflichtig.
Warum dich das betrifft: Wer in Mexiko mit einer Residencia Temporal oder einer Residencia Permanente leben will, beginnt in aller Regel mit einem Visum im Konsulat. Das Migrationsgesetz nennt in Artikel 40 die Visa de residencia temporal und die Visa de residencia permanente ausdrücklich als eigene Visatypen, mit denen du die Einreise beantragst. Wie dieser Weg Schritt für Schritt läuft, welche Einkommens- oder Vermögensnachweise das Konsulat verlangt und was danach in Mexiko passiert, erklärt unser Überblick zu den Aufenthaltstiteln in Mexiko. Wer über das Vermögen kommt, findet die Details im Beitrag zur Permanent Residency durch Solvenznachweis.
Unverändert bleibt nach dem Entwurf die Gebühr für Visa, die elektronisch beantragt werden (Buchstabe g, heute 197,65 Pesos).
Die Touristenabgabe steigt weniger als geplant
Wer als Besucher ohne Arbeitserlaubnis einreist, zahlt das sogenannte Derecho de No Residente nach Artikel 8 Fraktion I. Bei Flugreisen ziehen die Fluggesellschaften den Betrag ein, er steckt also im Ticketpreis. Heute sind es 983 Pesos, rund 47 Euro.
Die Regierung wollte die Abgabe um 35 Prozent auf 1.334,80 Pesos anheben. Der Finanzausschuss hat das gestoppt: Nach dem Dictamen soll sie auf 1.158 Pesos steigen, rund 56 Euro und ein Plus von 17,8 Prozent. Gleichzeitig ändert sich die Verteilung der Einnahmen. Statt der bisherigen Aufteilung zwischen Verteidigungsministerium und Staatskasse gehen künftig 57 Prozent an das Verteidigungsministerium, 15 Prozent an die Migrationsbehörde INM für Grenztechnik und 28 Prozent an die Staatskasse.
Für dich zählt das vor allem bei Erkundungsreisen vor dem Umzug und bei Besuchen von Familie und Freunden, die selbst keinen mexikanischen Aufenthaltstitel haben.
Was gleich bleibt: die Aufenthaltskarten
Eine gute Nachricht steckt im Kleingedruckten. Die Gebühren für die Aufenthaltskarten selbst, die du nach der Einreise bei der Migrationsbehörde abholst, gehören nicht zu den Artikeln, die der Entwurf ändert. Sie stehen in Artikel 8 Fraktionen VI und VII und wurden bereits für 2026 kräftig angehoben. Nach dem geltenden Gesetz kosten
Die Hälfte zahlt seit 2026 nur, wer nachweist, dass er wegen der Familieneinheit, eines Arbeitsangebots oder einer unbezahlten Tätigkeit auf Einladung einer Organisation in Mexiko ist. Diese Ermäßigung bleibt.
Immobilien: Fideicomiso und Verzichtserklärung werden teurer
Wer als Ausländer in Mexiko Grundeigentum erwerben will, braucht dafür Erlaubnisse des Außenministeriums SRE, und auch deren Gebühren steigen. Zur Erinnerung an die Rechtslage: In einem Streifen von 100 Kilometern entlang der Landesgrenzen und von 50 Kilometern entlang der Küsten, der sogenannten Zona Restringida nach Artikel 27 der Verfassung, dürfen Ausländer kein direktes Eigentum an Wohnimmobilien halten. Stattdessen hält eine Bank das Grundstück als Treuhänderin, du bist Begünstigter. Für diesen Fideicomiso verlangt Artikel 11 der Ley de Inversión Extranjera eine Erlaubnis der SRE. Er läuft nach Artikel 13 bis zu 50 Jahre und lässt sich verlängern.
Außerhalb der Zone darfst du direkt kaufen, musst aber nach Artikel 10 A vorher eine Erklärung abgeben, mit der du dich bei diesem Grundstück wie ein Mexikaner behandeln lässt und auf den Schutz deines Heimatstaats verzichtest, den Convenio de Renuncia.
Die neuen Gebühren nach Artikel 25:
| Leistung der SRE | heute | ab 2027 laut Entwurf |
|---|---|---|
| Erlaubnis für einen Fideicomiso in der Zona Restringida (Fraktion V a) | 21.648,83 MXN | 27.000 MXN |
| Prüfung des Convenio de Renuncia für Kauf außerhalb der Zone (Fraktion XV) | 5.252,02 MXN | 8.000 MXN |
| Anzeige eines Erwerbs durch mexikanische Gesellschaft mit Ausländerbeteiligung, nicht zu Wohnzwecken (Fraktion X) | 1.473,64 MXN | 13.000 MXN |
| verspätete Anzeige desselben Erwerbs (Fraktion XI) | 11.329,03 MXN | 13.000 MXN |
Die Fideicomiso-Erlaubnis steigt damit um knapp 25 Prozent auf rund 1.300 Euro, die Verzichtserklärung um gut 52 Prozent auf rund 385 Euro. Die fristgerechte Anzeige für Firmen, die in der Zone gewerblich genutzte Grundstücke kaufen, verteuert sich fast um das Neunfache, weil das Gesetz sie künftig gleich behandelt wie die verspätete Anzeige. Nicht angefasst werden dagegen die übrigen Gebühren rund um den Fideicomiso in derselben Fraktion V: Die Änderung einer bestehenden Erlaubnis kostet weiter 9.740,31 Pesos, der verspätete Antrag auf Verlängerung eines Treuhandvertrags 10.613,78 Pesos. Wer heute schon eine Immobilie über einen Fideicomiso hält und nur den Begünstigten ändern oder die Laufzeit verlängern will, ist von der Erhöhung also nicht unmittelbar betroffen, solange er den Antrag rechtzeitig stellt.
Die Regierung begründet die Erhöhungen mit der Digitalisierung dieser Verfahren nach einem Erlass vom 16. Juni 2026 und dem Personalaufwand für die Prüfung. Der Finanzausschuss hat diesen Teil ebenfalls übernommen.
Wie der Kauf über einen Fideicomiso konkret abläuft, welche laufenden Kosten die Bank als Treuhänderin verlangt und welche Fallen es gibt, steht in unserem Beitrag zum Fideicomiso in der Restriktionszone. Die übrigen Kaufnebenkosten wie Notar, Grunderwerbsteuer und Treuhandgebühr der Bank regelt nicht dieses Gesetz, sie erklärt der Leitfaden zum Immobilienkauf in Mexiko.
Ein Rechenbeispiel
Ein Paar aus Deutschland plant für 2027 den Umzug an die Karibikküste, beide mit Residencia Temporal, und will dort eine Wohnung über einen Fideicomiso kaufen. An staatlichen Gebühren nach diesem Gesetz fallen an:
Zusammen sind das gut 320 Euro mehr als heute. Gemessen am Kaufpreis einer Wohnung ist das wenig, gemessen an den reinen Behördenkosten ist es ein spürbarer Sprung.
Was du jetzt tun kannst
Nach Artikel 3 der Ley Federal de Derechos werden Gebühren vor der Leistung bezahlt. Entscheidend ist also in der Regel, wann du zahlst und die Leistung beantragst, nicht wann du einreist oder einziehst.
Wenn du ohnehin in den nächsten Wochen ein Visum beantragen willst: Ein Antrag mit Zahlung im Jahr 2026 läuft zur heutigen Gebühr von 990,79 Pesos. Frag dein Konsulat, bis wann es Zahlungen zum alten Satz annimmt, und plane genug Zeit für die Terminvergabe ein. Ein Antrag nur wegen der Gebühr lohnt sich aber nicht, wenn deine Unterlagen noch nicht stehen: Das Visum hat eine begrenzte Gültigkeit, und ein abgelehnter Antrag kostet mehr als die Differenz.
Wenn du an der Küste kaufen willst: Klär mit Notar und Bank, wann der Antrag auf die Fideicomiso-Erlaubnis bei der SRE gestellt und bezahlt wird. Die SRE muss nach Artikel 14 der Ley de Inversión Extranjera innerhalb von fünf Werktagen entscheiden, wenn der Antrag bei der Zentrale eingeht, sonst innerhalb von 30 Werktagen. Ein Kauf, der ohnehin bis Jahresende abgeschlossen werden soll, kann also oft noch zur alten Gebühr laufen.
Wenn du nur Urlaub oder eine Erkundungsreise planst: Die Touristenabgabe ziehen bei Flugreisen die Fluggesellschaften ein. Plan für Reisen ab 2027 mit rund 9 Euro mehr pro Person und Einreise.
Für die Steuerpflicht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ändert die Reform nichts, es geht ausschließlich um mexikanische Verwaltungsgebühren. Wer die Kosten in Euro oder Franken plant, sollte aber den Wechselkurs im Blick behalten: Bei einem schwächeren Peso fällt die Erhöhung in Euro geringer aus, bei einem stärkeren höher.
Wie es weitergeht
Als Nächstes berät der Senat. Stimmt er unverändert zu, wird die Reform im Amtsblatt veröffentlicht und gilt ab dem 1. Januar 2027. Ändert er den Text, geht er zurück an die Abgeordnetenkammer. Die Grundentscheidung, ob Mexiko für deine Pläne passt, hängt ohnehin an anderen Dingen als an ein paar hundert Euro Gebühren: an Sicherheit, Lebenshaltungskosten und der Frage, wo dein Lebensmittelpunkt steuerlich liegt. Einen ehrlichen Überblick gibt unser Beitrag zum Auswandern nach Mexiko.

