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Residenz8 min Lesezeit24. September 2026

Kuba 2026: das neue Ausländerrecht und was es für Auswanderer heißt

Kubas neue Gesetze zu Migration, Ausländern und Staatsbürgerschaft greifen 180 Tage nach Veröffentlichung. Was die Residenz für Immobilienbesitzer kostet.

Harley Bieder
Von Harley Bieder, Lateinamerika-Experte, VidaLibrePlan

Kuba bekommt ein neues Ausländerrecht. Die Gesetze liegen seit Mai auf dem Tisch, und wer sich für Kuba als Wohnsitz interessiert, kann sie jetzt vollständig lesen: nicht nur die Gesetze selbst, sondern auch die Durchführungsverordnungen, die das Verfahren im Detail regeln. Sie stehen alle in derselben Ausgabe des Amtsblatts.

Die Gaceta Oficial Nr. 39 Ordinaria vom 5. Mai 2026 enthält drei Gesetze, die die Nationalversammlung schon am 19. Juli 2024 beschlossen hatte: das Migrationsgesetz (Ley 171), das Staatsbürgerschaftsgesetz (Ley 172) und das Ausländergesetz (Ley 173). Dazu kommen die Verordnungen des Ministerrats zur Ausführung des Migrationsgesetzes (Decreto 136) und des Ausländergesetzes (Decreto 137) sowie eine Resolution des Innenministeriums zum Staatsbürgerschaftsregister. Sie ersetzen Regeln, die im Kern aus dem Jahr 1976 stammen: Das Migrationsgesetz hebt die Ley 1312 von 1976 auf, das Ausländergesetz die Ley 1313 vom selben Tag.

Wie Kuba insgesamt als Wohnsitz dasteht, mit Steuern, Alltagslage und Pass, zeigt unsere Länderseite Kuba. Zwei Punkte kommen dort zu kurz: wann das neue Recht gilt und was die Residenz für Immobilienbesitzer und Mieter, die „residencia de inmobiliaria“, künftig verlangt.

Ab wann das neue Recht gilt

Alle drei Gesetze und beide Verordnungen haben dieselbe Schlussklausel: Sie treten 180 Tage nach ihrer Veröffentlichung in der Gaceta Oficial in Kraft. Ein Kalenderdatum nennt das Amtsblatt nicht, und keine der fünf Normen sagt, ob Kalender- oder Arbeitstage gemeint sind. Sind es Kalendertage, gilt das neue Recht vom 5. Mai 2026 an gerechnet ab dem 1. November 2026, früher in keinem Fall. Das Staatsbürgerschaftsgesetz zählt seine Fristen aber nach Artikel 13 grundsätzlich in Arbeitstagen, wenn nicht ausdrücklich Kalendertage genannt sind, und das Migrations- und das Ausländergesetz enthalten dieselbe Regel in ihren Kapiteln über Rechtsbehelfe (Artikel 135 und 85). In Arbeitstagen gerechnet läge der Stichtag deutlich später. Maßgeblich ist am Ende die Zählung der kubanischen Behörden. Bis sie ein Datum nennen, ist die sichere Angabe: 180 Tage nach der Veröffentlichung.

Bis dahin gilt das alte Recht. Für laufende Verfahren gibt es Übergangsregeln: Migrationsverfahren, die beim Inkrafttreten der Verordnung schon laufen, werden nach dem Recht abgeschlossen, unter dem sie begonnen wurden. Wer also vor dem Inkrafttreten einen Antrag stellt, bekommt ihn nach den alten Regeln entschieden.

Das System der neuen Aufenthaltstitel

Das Migrationsgesetz teilt Ausländer in zwei Kategorien. Nicht Residente sind Besucher, Diplomaten und Eingeladene. Residente gibt es in fünf Klassen (Artikel 34):

  • residente temporal, für einen bestimmten Zeitraum und bestimmte erlaubte Tätigkeiten,
  • residente de inmobiliaria, für Eigentümer und Mieter bestimmter Wohnungen,
  • residente humanitario, für Schutzbedürftige,
  • residente provisional, die Vorstufe zur permanenten Residenz,
  • residente permanente, für den dauerhaften Wohnsitz.
  • Du kannst immer nur eine Klasse gleichzeitig haben, und solange du im Land bist, kannst du einen Wechsel beantragen (Artikel 35). Für Auswanderer wichtig ist der Weg zur permanenten Residenz: Er führt ausdrücklich über die provisorische Residenz, die das Gesetz als Voraussetzung festschreibt (Artikel 46 und 47). Sie dient dazu, deine „angemessene soziale Eingliederung“ festzustellen.

    Die residencia de inmobiliaria: Residenz über eine Wohnung

    Die Residenz für Immobilienbesitzer ist nicht neu. Bisher regelten sie zwei Resolutionen von 2014 aus dem Innen- und dem Tourismusministerium, die die neue Verordnung ausdrücklich aufhebt. Jetzt steht die Klasse im Migrationsgesetz selbst, und ihre Bedingungen regelt eine Verordnung des Ministerrats.

    Wer sie bekommen kann

    Artikel 44 des Migrationsgesetzes definiert sie so: Sie gilt für Eigentümer oder Mieter von Wohnungen in Immobilienkomplexen oder eigenständigen Gebäuden, die für diesen Zweck bestimmt sind, und für ihre ausländischen Familienangehörigen, die dort wohnen. Die Verordnung zum Migrationsgesetz (Decreto 136, Artikel 136) macht die entscheidende Einschränkung: Es geht um Komplexe und Gebäude, die von staatlichen Einrichtungen verwaltet und betrieben werden.

    Das ist der Satz, den du kennen musst, bevor du von einem Haus in Havanna träumst. Die residencia de inmobiliaria ist keine Residenz für jeden, der in Kuba eine Wohnung kauft oder mietet. Sie hängt an Wohnungen in staatlich betriebenen Immobilienprojekten, und der Antrag läuft nicht über dich, sondern über vom Tourismusminister benannte Beamte, die ihn bei den Migrationsbehörden als Dienstangelegenheit einreichen (Artikel 140).

    Was du vorlegen musst

    Die Voraussetzungen stehen in Artikel 139 der Verordnung:

  • Eigentum oder Mietvertrag an einer Wohnung in einem solchen Komplex, nachgewiesen durch Eigentumstitel oder Mietvertrag,
  • ein gültiger Reisepass,
  • eine Arbeits- oder Geschäftserlaubnis, wenn du im Land arbeiten oder Geschäfte machen willst,
  • ein Nachweis der Zahlungsfähigkeit: die Einzahlung von 1.000 US-Dollar, Euro oder frei konvertierbarer Währung je Person bei einer Bankfiliale in Kuba zugunsten eines staatlichen Fonds für Migrationsnotfälle.
  • Dazu kommen Passkopie mit Visum und der Nachweis der Stempelsteuer für den Ausweis. Die Behörde hat 90 Werktage Zeit, den Antrag zu bearbeiten (Artikel 141). Wird er bewilligt, musst du persönlich erscheinen, für Identifizierung, Fingerabdrücke und die Ausstellung der Papiere (Artikel 142).

    Was sie dir gibt

    Nach Artikel 137 der Verordnung wirst du für fünf Jahre zugelassen, verlängerbar jeweils um zwei Jahre. Du darfst dich zu touristischen Zwecken im Land bewegen und, mit entsprechender Erlaubnis, arbeiten und Geschäfte machen. Die Verordnung zum Ausländergesetz ergänzt für Mieter: Ihre Residenz läuft höchstens so lange wie der Mietvertrag, bis zu fünf Jahre, verlängerbar in Zwei-Jahres-Schritten, darüber hinaus nur, wenn die Immobiliengesellschaft den Vertrag weiterführen will (Decreto 137, Artikel 55).

    Mit der Residenz kommen Pflichten. Nach Artikel 41 des Ausländergesetzes musst du dich als Resident binnen zehn Tagen nach der Einreise im Ausländer- und Migrationsregister eintragen. Nach Artikel 43 meldest du der Ausländerbehörde jede Änderung bei Staatsangehörigkeit, Wohnadresse, Familienstand, Geburt von Kindern und Arbeitssituation.

    Arbeiten ohne Erlaubnis ist ausdrücklich ausgeschlossen. Nach Artikel 47 des Ausländergesetzes brauchen residentes temporales und residentes de inmobiliaria eine Arbeitserlaubnis des Arbeitsministeriums. Wer heute schon als residente de inmobiliaria arbeitet, muss nach einer Übergangsregel die Arbeitserlaubnis nachweisen, um seine Residenz zu verlängern.

    Wann sie endet

    Die Residenz fällt nach Artikel 143 der Verordnung weg, wenn du Eigentum oder Mietvertrag verlierst, und mit dir verlieren sie deine Angehörigen in der Wohnung. Sie endet außerdem, wenn du länger als ein Jahr oder über eine genehmigte Verlängerung hinaus im Ausland bleibst. Verkaufst du die Wohnung oder endet der Mietvertrag, informiert das Tourismusministerium die Migrationsbehörde binnen sieben Tagen (Decreto 137, Artikel 57).

    Im Klartext: Die residencia de inmobiliaria ist eine Residenz auf Zeit, geknüpft an ein Objekt in einem staatlichen Projekt. Sie ist kein Einstieg in ein normales Leben mit eigenem Haus in einem kubanischen Viertel.

    Die effektive Residenz: die Zahl, die über alles entscheidet

    Ein Begriff zieht sich durch das ganze neue Recht: die residencia efectiva migratoria. Nach Artikel 22 des Migrationsgesetzes hat sie, wer im Jahr vor der Prüfung den größeren Teil seiner Zeit im Land verbracht hat. Die Verordnung macht daraus eine Zahl (Decreto 136, Artikel 43): Die Behörde stellt die effektive Residenz von sich aus fest, wenn du mehr als 180 Tage im Vorjahr in Kuba warst. Schaffst du das nicht, kannst du sie auf Antrag anerkennen lassen, wenn du mehr als 120 Tage im Land warst und weitere Nachweise für deine Verwurzelung vorlegst (Artikel 45 und 46).

    Warum das wichtig ist: Die permanente Residenz setzt voraus, dass du die effektive Residenz innerhalb eines Jahres nach der Bewilligung erreichst (Artikel 48 des Migrationsgesetzes). Und einer der Wege in die permanente Residenz verlangt mehr als fünf Jahre mit einer der Residenten-Klassen plus effektive Residenz zum Zeitpunkt des Antrags (Artikel 49). Die residencia de inmobiliaria kann also ein Anfang sein, aber nur, wenn du tatsächlich den größeren Teil des Jahres in Kuba lebst.

    Der Weg zum kubanischen Pass

    Das Staatsbürgerschaftsgesetz regelt die Einbürgerung in Artikel 36. Du brauchst:

  • Volljährigkeit,
  • fünf Jahre oder mehr als residente permanente, bei Ehepartnern und Eltern gebürtiger Kubaner zwei Jahre,
  • eine angemessene soziale Eingliederung und, im erwerbsfähigen Alter, eine erlaubte wirtschaftliche Tätigkeit im Land,
  • keine Vorstrafen für eine Reihe schwerer Delikte, darunter Terrorismus, Menschenhandel, Drogenhandel und Geldwäsche,
  • ein bestandenes Staatsbürgerschaftsexamen.
  • Ohne Familienbindung und ohne besondere Qualifikation führt der Weg, den das Migrationsgesetz beschreibt, damit über mehr als fünf Jahre mit einer Residenten-Klasse, dann die provisorische und die permanente Residenz und dann weitere fünf Jahre bis zum Antrag auf Einbürgerung. Das Ausländergesetz nennt in Artikel 22 zusätzlich Gründe, aus denen Ausländer die permanente Residenz beantragen können, etwa Vermögen im Ausland oder bei einer kubanischen Bank oder Kapital für Geschäfte und Investitionen. Wie die Behörden diese Gründe in der Praxis gewichten, wird sich erst nach dem Inkrafttreten zeigen. Wie Kuba damit im Vergleich zu Ländern steht, in denen die Einbürgerung schneller geht, zeigt unser Überblick Zweitpass durch Einbürgerung in Lateinamerika.

    Was das für dich als Auswanderer heißt

    Für die meisten Auswanderer ändert das neue Recht wenig an der Ausgangslage. Es ist geordneter als das Recht von 1976 und fasst Verfahren in einer Verordnung zusammen, die bisher in Resolutionen verstreut waren. Die Residenz über eine Immobilie bleibt aber an staatliche Projekte gebunden, läuft über das Tourismusministerium und endet, wenn das Objekt wegfällt.

    Wer eine residencia de inmobiliaria erwägt, sollte vor jeder Zahlung drei Dinge schriftlich haben: dass das Objekt zu einem Komplex gehört, der von einer staatlichen Einrichtung betrieben wird und für diese Klasse zugelassen ist, wer den Antrag für dich einreicht, und was mit deiner Residenz passiert, wenn der Betreiber den Mietvertrag nicht verlängert. Wie Immobilienkäufe für Ausländer in der Region grundsätzlich ablaufen und wo die Risiken liegen, steht in unserem Beitrag zum Immobilienkauf in Lateinamerika.

    Wer die Karibik sucht und flexibel ist, findet Länder mit einfacheren Wegen. Einen ehrlichen Vergleich gibt unser Beitrag Auswandern in die Karibik: die 5 besten Ziele, den Überblick über alle Portfolio-Länder die Seite Residenzoptionen Lateinamerika.

    Und die Steuern zu Hause?

    Wer in Kuba lebt und in Deutschland, Österreich oder der Schweiz noch Einkünfte oder einen Wohnsitz hat, muss wissen, ob ein Doppelbesteuerungsabkommen hilft. Die Antwort fällt dreimal verschieden aus. Deutschland hat mit Kuba kein Abkommen, das Land fehlt in der Übersicht des Bundesfinanzministeriums. Österreich hat eines, unterzeichnet 2003, in Kraft seit 2006 und anwendbar ab 2007, so die DBA-Liste des Finanzministeriums. Die Schweiz hat keines, Kuba steht nicht in der Liste des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen.

    Wie Kuba selbst Ansässige besteuert, steht auf unserer Länderseite und auf der Seite zu Steuern in Kuba im Steueratlas. Die Kurzfassung für Leser aus dem deutschsprachigen Raum: Wer den Schritt nach Kuba plant, braucht zuerst Klarheit über das neue Aufenthaltsrecht, dann über die Steuern, und wie die Behörden die neuen Regeln anwenden, zeigt erst die Praxis nach dem Inkrafttreten.

    Das Leben ist kurz und vergänglich. Ein Schuss. Mach was draus.

    Carpe Diem