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Wissen10 min Lesezeit28. Oktober 2026

Mordzahlen in Panama 2026: was die Statistik der Staatsanwaltschaft bis September zeigt

454 Tötungsopfer bis September, 2 Prozent mehr als 2025, Chiriquí fast verdreifacht: die amtlichen Zahlen aus Panama 2026, eingeordnet für Auswanderer.

Harley Bieder
Von Harley Bieder, Lateinamerika-Experte, VidaLibrePlan

Panama hat den Ruf, sicherer zu sein als viele Nachbarn in Mittelamerika, und für den Alltag in den meisten Vierteln, in denen Zuzügler leben, trifft das auch zu. Wer aber wissen will, wie sich die schwere Gewalt im Land entwickelt, braucht amtliche Zahlen. Die liefert die Staatsanwaltschaft jeden Monat. Ihre jüngste Auswertung umfasst die ersten neun Monate 2026 und zeigt ein Jahr, das fast genau auf dem Niveau des Vorjahres liegt, mit einer deutlichen Verschiebung zwischen den Provinzen.

Die Zahlen stammen vom Centro de Estadísticas des Ministerio Público, also der panamaischen Staatsanwaltschaft, und beruhen auf den Akten ihrer Mordkommissionen. Die Auswertung für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. September 2026 wurde Mitte Oktober online gestellt. Alle Werte sind ausdrücklich vorläufig, und die Femizide sind in den Tötungsdelikten enthalten. Soweit nicht anders angegeben, beruhen alle Zahlen für 2026 auf diesem Bericht.

Die Kernzahlen für Januar bis September 2026

In den ersten neun Monaten 2026 zählte die Staatsanwaltschaft 454 Opfer von Tötungsdelikten. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es nach dem aktuellen Datenstand 446. Das ist ein Plus von 2 Prozent, also praktisch eine Seitwärtsbewegung.

Nach Monaten verteilt:

  • Januar 42, Februar 37, März 53
  • April 63, Mai 59, Juni 50
  • Juli 51, August 52, September 47
  • Der April war mit 63 Opfern der schwerste Monat, gefolgt vom Mai mit 59. Ab Juni hat sich das Niveau bei etwa 50 im Monat eingependelt.

    Für das ganze Jahr 2025 weist die Jahresauswertung der Staatsanwaltschaft 593 Opfer aus, ebenfalls als vorläufige Zahl. Bleibt das letzte Quartal 2026 im Rahmen der Vormonate, landet das Jahr in derselben Größenordnung.

    Was das als Rate bedeutet

    Eine Rate je 100.000 Einwohner nennt der Bericht nicht. Zur Einordnung lässt sie sich grob aus der Einwohnerzahl des Zensus 2023 des Statistikamts INEC berechnen, der 4.064.780 Menschen in den Provinzen und Comarcas zählt. Die 593 Opfer von 2025 entsprechen damit etwa 14,6 je 100.000 Einwohner. Rechnet man die neun Monate 2026 auf ein Jahr hoch, ergeben sich rund 15. Das ist eine einfache Überschlagsrechnung mit dem Zensusstand, keine amtliche Rate, aber sie reicht für den Vergleich der Größenordnung.

    Wie die Staatsanwaltschaft zählt und warum sich Zahlen ändern

    Wer die Monatsberichte nebeneinanderlegt, sieht: Die Zahlen der letzten Monate werden nachträglich korrigiert. Die Fußnote des Berichts sagt das selbst: Für Mai, Juni, Juli und August seien die Opferzahlen aktualisiert worden, weil die Staatsanwälte die Fälle weiter untersuchen.

    Der Vergleich mit der Augustausgabe zeigt, wie das aussieht. Dort standen für Mai 58, für Juni 49, für Juli 50 und für August 54 Opfer. In der Septemberausgabe sind es 59, 50, 51 und 52. Die Summe bis August stieg damit von 406 auf 407. Die Korrekturen gehen also in beide Richtungen und bleiben klein, aber sie zeigen: Der jeweils jüngste Monat ist ein Zwischenstand. Der Septemberwert von 47 kann sich noch ändern.

    Der Vorjahresvergleich ist trotzdem belastbar, weil die Staatsanwaltschaft die 446 Fälle aus Januar bis September 2025 im selben Bericht mit dem aktuellen Stand nebeneinanderstellt. Sie decken sich mit der Summe der Monatswerte aus der Jahresauswertung 2025.

    Wo die Gewalt stattfindet

    Die regionale Verteilung ist für die Wohnortwahl die wichtigste Information. Von den 454 Opfern entfielen:

  • 195 auf die Provinz Panamá ohne den Bezirk San Miguelito, den die Staatsanwaltschaft getrennt ausweist,
  • 85 auf den Bezirk San Miguelito,
  • 77 auf Colón,
  • 41 auf Panamá Oeste,
  • 26 auf Chiriquí,
  • 16 auf Coclé,
  • 4 auf Bocas del Toro, je 3 auf Los Santos und Veraguas, je 2 auf Herrera und Darién,
  • keines auf die Comarcas Emberá, Guna Yala und Ngöbe Buglé.
  • Die Provinz Panamá trägt damit samt San Miguelito 62 Prozent aller Tötungen (280 Opfer), Colón 17 Prozent. Zusammen mit Panamá Oeste konzentrieren sich fast neun von zehn Fällen auf den Großraum rund um den Kanal.

    Der Vergleich mit dem Vorjahr nach Provinzen

    Spannender als die Verteilung ist die Veränderung. Die Staatsanwaltschaft stellt dafür Januar bis September 2025 und 2026 gegenüber:

  • Provinz Panamá ohne San Miguelito: 195 und 195, unverändert. San Miguelito: von 79 auf 85 (plus 8 Prozent).
  • Colón: von 91 auf 77, ein Minus von 15 Prozent.
  • Panamá Oeste: von 40 auf 41.
  • Chiriquí: von 9 auf 26, ein Plus von 189 Prozent.
  • Coclé: von 8 auf 16, eine Verdopplung.
  • Veraguas: von 6 auf 3. Herrera: von 5 auf 2. Darién: von 4 auf 2.
  • Der Rückgang in Colón und der Anstieg in Chiriquí und Coclé gleichen sich fast aus. Das erklärt, warum die Landessumme kaum steigt, obwohl sich im Landesinneren etwas verschoben hat.

    Chiriquí: warum die Zahl für Zuzügler wichtig ist

    Chiriquí im Westen des Landes ist für viele Ruheständler und Zuzügler aus Europa und Nordamerika ein Ziel: das Hochland mit Boquete und Volcán, die Provinzhauptstadt David, die Pazifikküste. Für das ganze Jahr 2025 verzeichnete die Staatsanwaltschaft dort 14 Tötungsopfer. In den ersten neun Monaten 2026 sind es bereits 26.

    Zwei Dinge gehören zur ehrlichen Einordnung. Erstens sind die absoluten Zahlen klein, und schon wenige Fälle bewegen den Prozentwert stark. Zweitens schlüsselt der Bericht nicht nach Bezirken auf. Ob sich die Fälle in David, im Grenzgebiet zu Costa Rica, im Hochland oder an der Küste häufen, lässt sich aus diesen Daten nicht ablesen. Wer in Chiriquí kaufen oder mieten will, sollte deshalb nicht aus der Provinzzahl auf seinen Ort schließen, aber die Entwicklung im Blick behalten und vor Ort nachfragen.

    Auch als Rate bleibt Chiriquí unter dem Landesschnitt. Hochgerechnet auf ein Jahr und bezogen auf die 471.071 Einwohner des Zensus 2023 ergeben sich etwa 7 je 100.000 Einwohner, nach rund 3 im Jahr 2025.

    Die Raten im Überblick

    Mit derselben Überschlagsrechnung, also neun Monate auf ein Jahr hochgerechnet und durch die Zensusbevölkerung 2023 geteilt, ergibt sich folgendes Bild:

  • San Miguelito: rund 40 je 100.000 Einwohner
  • Colón: rund 36
  • Provinz Panamá ohne San Miguelito: rund 22
  • Panamá Oeste: rund 8
  • Coclé: rund 8
  • Chiriquí: rund 7
  • Bocas del Toro, Los Santos, Darién: jeweils zwischen 3 und 5
  • Herrera und Veraguas: rund 2
  • Die Unterschiede sind enorm. San Miguelito und Colón liegen bei einem Vielfachen dessen, was die Provinzen auf der Azuero-Halbinsel oder Veraguas aufweisen. Die Provinz Panamá ist allerdings groß und sehr gemischt. Zu ihr gehören die Bankenviertel und Wohnlagen, in denen viele Ausländer leben, ebenso wie die Stadtteile, vor denen die Außenministerien ausdrücklich warnen.

    Wer die Opfer sind und wie getötet wird

    Der Bericht schlüsselt auch nach Geschlecht, Alter und Tatmittel auf:

  • 418 der 454 Opfer waren Männer (92 Prozent), 36 Frauen.
  • Die größte Altersgruppe sind die 18- bis 24-Jährigen mit 118 Opfern (26 Prozent), gefolgt von den 25- bis 29-Jährigen mit 76 und den 30- bis 34-Jährigen mit 59. Zusammen sind das 56 Prozent aller Opfer. Über 60 Jahre alt waren 23 Opfer.
  • 386 Opfer starben durch Schusswaffen (85 Prozent), 33 durch Stichwaffen, 13 durch Ersticken, 10 durch stumpfe Gegenstände.
  • Das Muster ist typisch für Gewalt zwischen kriminellen Gruppen: junge Männer, Schusswaffen, eine starke Konzentration auf bestimmte Stadtteile. Ein Motiv weist der Bericht allerdings nicht aus. Anders als etwa die Statistik in Costa Rica, die wir in unserer Auswertung der Mordzahlen in Costa Rica beschrieben haben, sagt die panamaische Monatsstatistik nicht, wie viele Taten Abrechnungen im Milieu waren. Den Schluss auf das Milieu legen die Muster nahe, belegen kann man ihn mit diesen Daten nicht.

    Was die Außenministerien raten

    Das Auswärtige Amt schreibt in seinen seit dem 12. Oktober 2026 unverändert gültigen Hinweisen, Kleinkriminalität sei weit verbreitet und in Panama-Stadt müsse mit Gewaltkriminalität gerechnet werden. Ein besonders großes Risiko von Raubüberfällen nennt es für die Stadtteile San Miguelito, Tocumen, Juan Díaz, 24 de Diciembre, El Chorrillo, Santa Ana, Curundu, Calidonia und Pacora sowie für die Stadt Colón. Auch in Bocas del Toro und im Valle de Antón sei es zuletzt vermehrt zu Diebstählen und bewaffneten Überfällen gekommen. Von Reisen in den Osten und Süden der Provinz Darién südlich von Yaviza, vor allem ins Grenzgebiet zu Kolumbien, rät es dringend ab. Für Colón empfiehlt es Landausflüge nur organisiert oder in ortskundiger Begleitung.

    Das österreichische Außenministerium führt Panama in seiner Reiseinformation, unverändert gültig seit dem 3. September 2026, mit Sicherheitsstufe 2 für das ganze Land. Die Kriminalität sei in Colón und in einzelnen Stadtteilen von Panama-Stadt besonders hoch, bei Überfällen solle man wegen der Gewaltbereitschaft keinen Widerstand leisten. Von Reisen in die Provinz Darién rät auch das BMEIA dringend ab.

    Für Leser aus der Schweiz veröffentlicht das EDA eigene Reisehinweise für Panama. Die drei Ministerien formulieren unterschiedlich und aktualisieren zu verschiedenen Zeitpunkten, deshalb lohnt sich der Blick in die jeweils eigene Quelle.

    Die Statistik und die Hinweise passen zusammen: Die Bezirke und Städte, die das Auswärtige Amt namentlich nennt, sind genau die, in denen sich die Tötungen konzentrieren.

    Was die Zahlen für deine Planung bedeuten

    Panama ist 2026 nicht gefährlicher geworden als 2025, aber auch nicht sicherer. Die Gewalt bleibt stark auf den Großraum um Panama-Stadt und Colón konzentriert, und dort wiederum auf bestimmte Bezirke. Neu ist der Anstieg im Landesinneren, vor allem in Chiriquí und Coclé, wenn auch von niedrigem Niveau aus.

    Wenn du nach Panama-Stadt ziehst: Die Provinzzahl sagt wenig über dein Viertel. Entscheidend ist die Lage innerhalb der Stadt. Die Stadtteile, die das Auswärtige Amt nennt, sind keine Wohnlagen, die Zuzügler üblicherweise wählen, und genau dort ist das Risiko am höchsten. Wie sich der Alltag in den gängigen Wohnlagen anfühlt und welche Risiken jenseits der Kriminalität eine Rolle spielen, steht in unserem Sicherheits-Realitätscheck für Panama.

    Wenn du als Rentner nach Chiriquí willst: Die Provinz bleibt im Landesvergleich ruhig, aber die Zahl für 2026 ist ein Signal, das du ernst nehmen solltest. Frag vor Ort konkret nach dem Ort, in den du ziehen willst, und beobachte die Monatsberichte der Staatsanwaltschaft bis zum Jahresende. Was Ruheständler für den Aufenthalt brauchen, erklärt unser Guide zum Pensionado-Visum.

    Wenn du Länder vergleichst: Achte darauf, ob du Jahreszahlen, Teiljahre oder Raten vor dir hast und auf welchen Datenstand sie sich beziehen. Die grundsätzlichen Vor- und Nachteile des Landes stehen im Beitrag zum Auswandern nach Panama, die Eckdaten zu Steuern und Aufenthalt auf unserer Länderseite Panama.

    Wann die nächsten Zahlen kommen

    Die Staatsanwaltschaft veröffentlicht ihre Auswertung monatlich, die Septemberausgabe kam Mitte Oktober. Nach diesem Rhythmus folgt der Stand bis Ende Oktober im November, und die Jahreszahl für 2026 nach dem Jahreswechsel. Ob 2026 über oder unter den 593 Opfern des Vorjahres endet, entscheidet sich im letzten Quartal, und auch dann bleibt jede Zahl vorläufig, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind.