Über Panama wird viel erzählt und wenig gezählt. Foren sprechen von einem Ansturm auf das Friendly Nations Visa, andere von einer Behörde, die plötzlich strenger prüft. Dabei gibt es eine Stelle, die tatsächlich zählt: die Statistikabteilung des Servicio Nacional de Migración (SMN). Sie hat ihre Tabellen zu den Aufenthaltsgenehmigungen bis zum 31. Juli 2026 veröffentlicht, als PDF auf der Seite der Behörde, erstellt am 10. August und zuletzt am 17. August aktualisiert. Dazu liegen die Jahreszahlen 2025 und die Jahreszahlen 2024 vor. Aus diesen drei Dokumenten lässt sich ein ziemlich nüchternes Bild zeichnen, und genau das brauchst du, wenn du deinen Antrag planst.
Was die Statistik überhaupt misst
Bevor es um die Zahlen geht, eine Klarstellung, die in vielen Deutungen fehlt. Die SMN zählt Genehmigungen, nicht Menschen. In den Tabellen stecken vier Arten von Bescheiden: die befristete Residenz (Permiso de Residente Temporal), die Verlängerungen (Prórrogas), die vorläufige Genehmigung (Permiso Provisional) und die permanente Residenz (Permiso de Residente Permanente). Wer im Lauf eines Jahres erst eine vorläufige und dann die endgültige Genehmigung bekommt, kann also zweimal auftauchen.
Zweitens sind alle Werte ausdrücklich vorläufig. Die Behörde schreibt unter jede Tabelle, dass die Zahlen „preliminar“ sind und noch überarbeitet werden. Wer daraus Prozentveränderungen mit Nachkommastellen ableitet, baut auf Sand. Die Größenordnungen dagegen sind belastbar, und auf die kommt es an.
Das Gesamtbild: 22.083 Genehmigungen in sieben Monaten
Von Januar bis Juli 2026 hat die SMN über 22.682 Anträge entschieden. 22.083 wurden genehmigt, 599 abgelehnt. Das ergibt eine Genehmigungsquote von 97 Prozent, die die Behörde selbst so ausweist. Im Gesamtjahr 2025 lag die Quote bei 95 Prozent (33.262 Genehmigungen, 1.755 Ablehnungen), 2024 ebenfalls bei rund 95 Prozent (48.194 Genehmigungen bei 50.779 Entscheidungen).
Nach Typ aufgeteilt ergeben die 22.083 Genehmigungen bis Juli dieses Bild:
| Art der Genehmigung | Jan. bis Juli 2026 |
|---|---|
| Befristete Residenz (Residente Temporal) | 8.141 |
| Permanente Residenz (Residente Permanente) | 6.572 |
| Verlängerungen (Prórrogas) | 4.279 |
| Vorläufige Genehmigung (Permiso Provisional) | 3.091 |
Ein Monat fällt sofort auf: der Juli. Zwischen Januar und Juni lagen die Genehmigungen stabil zwischen 2.512 und 2.912 pro Monat. Im Juli waren es 6.073. Die SMN erklärt das in einer Fußnote selbst: Im Juli wurden verwaltungsseitig besonders viele Akten positiv beschieden, vor allem beim humanitären Schutzstatus, bei den Sechs-Jahres-Verlängerungen, bei Rentnern und Pensionären und bei Familienangehörigen. Der Juli ist also ein Aufholmonat, kein Nachfrageboom. Diese Fußnote ist wichtig, weil sie jeden Vergleich mit dem Vorjahr verändert.
Die drei Wege, die für dich zählen
Der größte Block in der Statistik hat mit dir wenig zu tun: Fast 39 Prozent der Genehmigungen 2026 entfallen auf den humanitären Schutzstatus (8.564). Danach folgen Familienangehörige, Regularisierungen und Angestellte multinationaler Konzerne. Für Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind drei Kategorien entscheidend.
| Kategorie | 2024 | 2025 | Jan. bis Juni 2026 | Jan. bis Juli 2026 |
|---|---|---|---|---|
| Países Amigos (Friendly Nations) | 3.228 | 2.725 | 1.002 | 1.458 |
| Jubilados o Pensionados | 1.917 | 1.929 | 873 | 1.239 |
| Inversionista Calificado | 327 | 327 | 135 | 219 |
Genehmigte Anträge laut SMN. Die Halbjahreswerte sind die Summe der Monatsspalten Januar bis Juni aus der Tabelle 2026.
Friendly Nations: weniger als 2024, im Juli aufgeholt
Das Friendly Nations Visa (Países Amigos) ist der Weg, den viele Leser aus dem deutschsprachigen Raum zuerst ins Auge fassen. 2024 hat die SMN hier 3.228 Anträge genehmigt, 2025 noch 2.725, also rund 16 Prozent weniger. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 1.002. Rechnet man das Vorjahr gleichmäßig auf die Monate um, liegt das Halbjahr etwa ein Viertel unter dem Tempo von 2025. Mit dem Aufholmonat Juli (456 Genehmigungen allein in diesem Monat) schrumpft der Abstand auf rund 8 Prozent.
Was heißt das praktisch? Die Kategorie läuft, sie läuft aber nicht mehr auf dem Niveau von 2024. Ob dahinter weniger Anträge stehen oder langsamere Bescheide, verrät die Statistik nicht, denn sie weist nur Entscheidungen aus, keine Eingänge. Wie das Verfahren im Einzelnen abläuft, mit wirtschaftlicher Bindung, Unterlagen und dem Weg in die permanente Residenz, steht im Praxis-Leitfaden zur Friendly Nations Visa.
Pensionado: stabil, mit einem starken Juli
Beim Pensionado-Programm für Rentner ist das Bild ruhiger. 2024 und 2025 lagen die Genehmigungen fast gleichauf (1.917 und 1.929). Das erste Halbjahr 2026 liegt mit 873 etwa 9 Prozent unter dem rechnerischen Vorjahrestempo. Nach dem Juli mit 366 Genehmigungen steht die Kategorie bei 1.239 und damit rund 10 Prozent über dem Tempo von 2025. Die Behörde nennt die Pensionäre ausdrücklich als eine der Gruppen, bei denen im Juli liegengebliebene Akten abgearbeitet wurden. Wer im Frühjahr beantragt und lange nichts gehört hat, sollte daraus also keine schlechte Nachricht lesen: Die Bearbeitung kam in diesem Jahr in einem Schub. Voraussetzungen und Ablauf findest du im Guide zum Pensionado-Visum.
Qualified Investor: kleine Zahlen, große Schwankung
Das Qualified Investor Visa ist die kleinste der drei Kategorien und die mit den größten Ausschlägen: 327 Genehmigungen 2024, exakt ebenso viele 2025, 135 im ersten Halbjahr 2026 und 219 bis Ende Juli. Allein im Juli kamen 84 dazu, im März waren es 41, im April nur 13. Bei so kleinen Zahlen reicht ein Stapel Akten, um aus einem Minus ein Plus zu machen: Das Halbjahr lag rund 17 Prozent unter dem Vorjahrestempo, der Stand Ende Juli rund 15 Prozent darüber. Mehr Aussagekraft hat die Zahl nicht. Was sich für Investoren im Oktober 2026 ändert und warum das Timing zählt, steht im Beitrag zum Qualified-Investor-Fenster.
Weniger Genehmigungen insgesamt seit 2024
Ein Blick auf die Gesamtmenge ordnet die Kategorien ein. 2024 hat die SMN 48.194 Aufenthaltsgenehmigungen erteilt, 2025 waren es 33.262, rund 31 Prozent weniger. Das erste Halbjahr 2026 brachte 16.010 Genehmigungen und lag damit knapp 4 Prozent unter dem rechnerischen Tempo von 2025. Mit dem Juli liegt der Stand Ende Juli rund 14 Prozent darüber.
Der Rückgang von 2024 auf 2025 betrifft also nicht nur Europäer oder einzelne Visa, sondern das ganze System. Die Friendly-Nations-Kategorie ist mit minus 16 Prozent sogar weniger stark geschrumpft als die Gesamtzahl. Für die Rentnerkategorie lohnt sich noch ein Blick auf die Altersgruppen: Von den 22.083 Genehmigungen bis Juli 2026 gingen 3.810 an Menschen zwischen 55 und 79 Jahren und 131 an Menschen ab 80. Panama bleibt damit ein Land, das auch im späteren Lebensabschnitt aktiv Zuzügler aufnimmt.
Wie streng prüft Panama?
Die Gesamtquote von 97 Prozent klingt nach Durchwinken. Sie ist aber ein Durchschnitt über alle Kategorien, und die Unterschiede sind groß. Die Tabelle 2026 weist Ablehnungen nicht nach Kategorie aus, die Tabelle 2025 schon. Dort sieht es so aus:
| Kategorie (2025) | Entscheidungen | Abgelehnt | Anteil abgelehnt |
|---|---|---|---|
| Países Amigos | 2.825 | 100 | 3,5 % |
| Jubilados o Pensionados | 1.973 | 44 | 2,2 % |
| Inversionista Calificado | 341 | 14 | 4,1 % |
| Casados (Ehegatten) | 1.995 | 241 | 12,1 % |
| Razones de Educación (Studium) | 1.683 | 358 | 21,3 % |
Die drei Wege, die für dich relevant sind, gehören also zu den Kategorien mit niedrigen Ablehnungsquoten. Eine naheliegende Erklärung: Bei Friendly Nations, Pensionado und Qualified Investor sind die Voraussetzungen objektiv prüfbar. Rente ja oder nein, Investition nachgewiesen oder nicht, Staatsangehörigkeit auf der Liste oder nicht. Wer mit einer vollständigen, sauber apostillierten Akte kommt, hat nach diesen Zahlen sehr gute Chancen. Wo ein objektives Kriterium fehlt, etwa bei Ehen oder Studienplätzen, muss die Behörde mehr bewerten, und genau in diesen Kategorien liegen die Ablehnungsquoten deutlich höher.
Umgekehrt heißt das: Eine Genehmigungsquote von über 95 Prozent ist kein Grund, die Akte locker zu nehmen. Die Statistik zählt nur Anträge, die bis zur Entscheidung gekommen sind. Was vorher an fehlenden Unterlagen hängen bleibt, taucht in keiner Spalte auf. Welche Unterlagen die SMN für welche Kategorie verlangt, haben wir in der Übersicht zur Aufenthaltsgenehmigung in Panama zusammengestellt.
Deutsche, Österreicher und Schweizer in der Statistik
Die SMN schlüsselt die Genehmigungen auch nach Staatsangehörigkeit auf. Die großen Gruppen kommen aus der Region: Kolumbien (6.619 Genehmigungen bis Juli 2026), Venezuela (3.801), Nicaragua (2.291), dazu die USA (1.738). Europa spielt in absoluten Zahlen eine kleine Rolle.
| Staatsangehörigkeit | 2024 | 2025 | Jan. bis Juli 2026 |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 364 | 313 | 210 |
| Schweiz | 90 | 111 | 66 |
| Österreich | nicht einzeln ausgewiesen | 27 | 13 |
Genehmigungen. 2025 wurden bei Deutschen 12 Anträge abgelehnt, bei Schweizern einer, bei Österreichern keiner.
Bei Deutschen liegt der Stand Ende Juli rund 15 Prozent über dem rechnerischen Tempo von 2025, nach einem Rückgang von 2024 auf 2025. Bei Schweizern ist das Niveau praktisch unverändert. Die österreichischen Zahlen sind zu klein für jede Aussage. In welcher Kategorie diese Genehmigungen erteilt wurden, weist die SMN nicht aus. Die Tabelle trennt entweder nach Kategorie oder nach Land, nicht nach beidem.
Was die Zahlen nicht sagen
Drei Dinge liest man in diese Statistik gern hinein, obwohl sie nicht drinstehen.
Wartezeiten. Die Tabellen zeigen, wann eine Akte entschieden wurde, nicht wann sie eingereicht wurde. Der Juli belegt nur, dass viele Akten gleichzeitig fertig wurden. Wie lange sie vorher lagen, bleibt offen.
Nachfrage. Weniger Genehmigungen können weniger Anträge bedeuten, aber auch einen Rückstau. Ohne Eingangszahlen lässt sich das nicht trennen. Wer aus dem ersten Halbjahr einen Einbruch des Interesses an Panama ableitet, übersieht, dass der Juli allein fast die Hälfte der Halbjahresmenge nachgeliefert hat.
Personen. Weil eine Person mehrere Bescheide bekommen kann, ist die Zahl der Genehmigungen nicht die Zahl der Zuzügler. Für eine Einwohnerstatistik ist das PDF das falsche Werkzeug.
Was du daraus für deinen Antrag mitnimmst
Die Statistik bestätigt, was man aus dem Verfahren kennt, und sie korrigiert ein paar Legenden. Panama genehmigt in den für dich relevanten Kategorien weit über 95 Prozent der Anträge. Die Bearbeitung kommt in Schüben, nicht gleichmäßig, und der Juli 2026 zeigt, dass ein langes Schweigen der Behörde noch nichts über das Ergebnis sagt. Das Friendly Nations Visa bleibt der wichtigste Weg, auch wenn die Zahlen unter 2024 liegen.
Wenn du selbst planst, gilt die alte Reihenfolge: erst die Kategorie wählen, die zu deinem Leben passt, dann die Akte vollständig machen, dann einreichen. Einen Überblick über Steuern, Kosten und Lebensqualität bietet unsere Länderseite zu Panama. Und wenn du das Friendly Nations Visum konkret angehen willst, zeigt die Seite Friendly Nations Visum Panama, wie wir das Verfahren mit Anwälten vor Ort umsetzen, von der wirtschaftlichen Bindung bis zur permanenten Residenz.
Das Leben ist kurz und vergänglich. Ein Schuss. Mach was draus.
Carpe Diem

