Argentinien verkauft seinen Pass. Das klingt nach einer Schlagzeile zum Wegklicken, ist aber ernst gemeint: Am 2. Oktober 2026 haben Wirtschaftsminister Luis Caputo und Kabinettschef Diego Santilli auf der Argentina Week in Paris das Programa de Ciudadanía por Inversión angekündigt, ein Programm für die Staatsbürgerschaft gegen Investition. Der Preis: 350.000 US-Dollar, nicht rückzahlbar. Harley Bieder hat in seinem Video vom 4. November 2026 durchgerechnet, was der argentinische Pass wirklich kostet, was er bringt und wo der Haken liegt. Hier stehen die Fakten aus der amtlichen Ankündigung, Stand 6. November 2026, und der Vergleich mit dem Weg, der in Argentinien schon immer offen war: zwei Jahre wirklich dort leben.
Was die Regierung angekündigt hat
Nach der Mitteilung des Wirtschaftsministeriums gibt es zwei Mechanismen:
Die Familie kann mitkommen, wenn das Verhältnis nachgewiesen ist und für jede Person der eigene Beitrag fließt:
Das Rechenbeispiel der Regierung selbst: Eine Familie aus Hauptantragsteller, Ehepartner und zwei minderjährigen Kindern zahlt zusammen 500.000 US-Dollar. Dazu kommen die Kosten für Anwälte und Kanzleien, die sich auf Migration durch Investition spezialisiert haben, denn kaum jemand bringt so ein Verfahren allein durch. Rechne also ehrlich mit mehr als dem reinen Beitrag.
Wer prüft, und wie streng
Geprüft wird nach der Ankündigung streng. Die Federführung hat die Agencia de Programas de Ciudadanía por Inversión, beteiligt sind unter anderem der Geheimdienst SIDE, die Finanzaufsicht gegen Geldwäsche UIF sowie das Sicherheits- und das Innenministerium. Geprüft werden deine Identität, Herkunft und Rechtmäßigkeit der Gelder, deine Vermögens- und Finanzlage, das Risiko deines Herkunftslandes, Vorstrafen und Ruf und deine bisherige Migrationsgeschichte. Am Ende schickt die Agentur ihre Empfehlung an die Migrationsbehörde DNM, und die entscheidet. Alles Geld muss über das reguläre Finanzsystem laufen und die Regeln gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung erfüllen.
Das Programm ist angekündigt, nicht offen
Jetzt das Wichtigste: Das Programm nimmt noch keine Anträge an. Die Regierung nennt als Start das vierte Quartal 2026, also die Wochen, in denen wir gerade sind. Wenn dir jemand erzählt, er könne deinen Antrag schon einreichen, wenn du jetzt Geld überweist, dann prüf zuerst, ob die Agentur das Verfahren amtlich eröffnet hat. Eine Überweisung auf ein Versprechen hin ist kein Antrag.
Dazu kommt eine rechtliche Unsicherheit, über die kaum jemand spricht. Die Einbürgerungsregeln, die die Regierung 2025 per Notdekret geändert hat, sind vor Gericht gelandet: Die Cámara Nacional Electoral hat das Notdekret 366/2025 am 30. Juni 2026 für nichtig erklärt, der Fall liegt beim Obersten Gerichtshof. Ob das am Ende auch die Investitionsroute berührt, ist offen. Die Urteile gegen das Notdekret hat Harley bereits in seinem Video vom 3. Oktober 2026 eingeordnet. Unsere Einschätzung ist klar: Wer 350.000 Dollar nicht rückzahlbar an einen Staat überweist, will eine Rechtsgrundlage, die nicht vor Gericht steht. Bis der Kongress das Programm als Gesetz absichert oder die Gerichte entschieden haben, ist Abwarten die bessere Strategie.
Was dir der argentinische Pass bringt
Der argentinische Pass gehört zu den stärksten Lateinamerikas, mit visafreier Einreise in den Schengen-Raum und in viele weitere Länder. Für dich als Deutschen ist die Reisefreiheit allerdings kein Argument, denn du hast schon einen der stärksten Pässe der Welt. Was er dir bringt, ist etwas anderes: ein zweiter Pass außerhalb der EU, ein zweites Standbein, falls sich in Europa politisch etwas dreht. Genau darum geht es beim Plan B.
Wichtig für Deutsche: Seit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts von 2024 verlierst du deinen deutschen Pass nicht mehr, wenn du eine andere Staatsangehörigkeit annimmst. Der frühere Verlusttatbestand in § 25 StAG ist weggefallen. Österreicher und Schweizer prüfen die Regeln ihres eigenen Landes, bevor sie irgendetwas unterschreiben.
Der Weg, der schon immer offen war: zwei Jahre
Und jetzt der eigentliche Geheimtipp. Argentinien gehört zu den wenigen Ländern der Welt, in denen du nach zwei Jahren legalem Wohnsitz eingebürgert werden kannst. Der Weg: Du holst dir zuerst eine befristete Residenz, zum Beispiel als Rentner, mit passivem Einkommen als Rentista oder über eine Investition, die viel kleiner sein kann als die Summen oben. Nach zwei Jahren stellst du den Antrag auf Einbürgerung.
Achte dabei auf die Zeit im Land. Das Notdekret hatte verlangt, dass du in den zwei Jahren das Land nicht verlässt, und nach dem Urteil der Wahlkammer ist die Rechtslage im Fluss. Plane deshalb realistisch damit, dass du die zwei Jahre wirklich in Argentinien lebst. Das ist kein Passkauf, sondern echtes Auswandern. Wie der Weg Schritt für Schritt läuft und was die Gerichte 2026 entschieden haben, steht in unserem Beitrag [Argentinien: der schnellste Weg zum Zweitpass](/de/wissen/argentinien-schnellster-pass).
Pass und Steuern sind zwei verschiedene Dinge
Ein Punkt, den viele verwechseln: Der Pass macht dich nicht automatisch in Argentinien steuerpflichtig, und er befreit dich nicht von deinen Steuerpflichten zu Hause. Entscheidend ist, wo du tatsächlich lebst. Wer zwei Jahre in Argentinien wohnt, um sich einbürgern zu lassen, ist dort in aller Regel auch steuerlich ansässig, und Argentinien besteuert seine Einwohner auf ihr Welteinkommen. Rechne das durch, bevor du losziehst, und plane den Wegzug aus Deutschland sauber, damit du nicht in beiden Ländern voll steuerpflichtig bist.
Für wen sich was lohnt
Ob für dich der Weg über Kapital oder über Zeit der richtige ist, welche Residenzkategorie du für die zwei Jahre wählst und wie das mit deinem Wegzug zusammenpasst, gehen wir mit dir durch. Auf unserer [Leistungsseite für Argentinien](/de/leistungen/argentinien) siehst du jeden Residenzweg mit Preis.

