Lateinamerika ist die Weltregion der schnellen Einbürgerung. Hier die vollständige Tabelle: 21 Länder, vier Wege, jede Zeile am Gesetzestext geprüft.
Wo Deutschland acht Jahre verlangte und selbst nach der Reform von 2024 noch fünf, wo die Schweiz zehn Jahre ansetzt und Österreich in der Regel ebenfalls zehn, reichen in Lateinamerika in der Spitze zwei. Das ist kein Zufall und keine Nachlässigkeit, sondern Einwanderungspolitik mit Geschichte: Länder, die im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert Menschen brauchten, haben ihre Staatsbürgerschaft nie als Belohnung am Ende eines langen Marsches gedacht, sondern als Werkzeug der Ansiedlung. Diese Logik steht bis heute in den Verfassungen. Kein anderer Kontinent bietet so viele seriöse Wege zu einem zweiten Pass in so kurzer Zeit.
Nur: Die Jahreszahl ist der Anfang der Antwort, nicht die Antwort. Es gibt in dieser Region vier verschiedene Türen zur Staatsbürgerschaft, und die schnellste ist fast nie die, über die alle reden. Wer nur auf die Spalte Aufenthalt schaut, übersieht, dass ein in Brasilien geborenes Kind seine Eltern in einem einzigen Jahr zum Pass bringt, dass Chile seit dem Migrationsgesetz von 2021 eine verkürzte Einbürgerung für Angehörige kennt, die in kaum einer Übersicht auftaucht, und dass ein Land der Liste gar kein Geburtsortprinzip hat, obwohl das praktisch überall behauptet wird.
Deshalb steht die Tabelle hier ganz vorne. Danach gehen wir die Türen einzeln durch.
Die 21 Länder im Vergleich
Jede der 21 Zeilen wurde am 8. August 2026 gegen eine Primärquelle geprüft, also gegen Verfassung, Staatsangehörigkeitsgesetz oder die Auskunft der zuständigen Behörde. Kein Wert wurde aus einer anderen Übersicht übernommen, und wo sich eine Angabe nicht belegen ließ, steht Unbekannt statt einer Zahl. Die Praxishinweise unter der Tabelle sind der eigentliche Inhalt: Sie sagen dir, was die Zahl in deinem Fall wert ist.
| Heirat | Kind | Geburtsortprinzip | ||
|---|---|---|---|---|
| Argentinien1 | 2 Jahre | Ohne Frist | Ohne Frist | Ja |
| Belize2nicht betreut | 5 Jahre | 1 Jahr | Kein Weg | Ja |
| Bolivien3nicht betreut | 3 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | Ja |
| Brasilien4 | 4 Jahre | 1 Jahr | 1 Jahr | Ja |
| Chile5 | 5 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | Eingeschränkt |
| Costa Rica6 | 7 Jahre | 2 Jahre | Kein Weg | Ja |
| Dominikanische Republik7nicht betreut | 2 Jahre | 6 Monate | Kein Weg | Eingeschränkt |
| Ecuador8 | 5 Jahre | 2 Jahre | Kein Weg | Ja |
| El Salvador9 | 5 Jahre | 2 Jahre | Kein Weg | Ja |
| Guatemala10nicht betreut | 5 Jahre | Unbekannt | Unbekannt | Ja |
| Honduras11nicht betreut | 3 Jahre | Ohne Frist | Kein Weg | Ja |
| Kolumbien12 | 5 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | Eingeschränkt |
| Kuba13nicht betreut | 5 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | Ja |
| Mexiko14 | 5 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | Ja |
| Nicaragua15nicht betreut | 4 Jahre | 2 Jahre | Kein Weg | Ja |
| Panama16 | 5 Jahre | 3 Jahre | 3 Jahre | Ja |
| Paraguay17 | 3 Jahre | Kein Weg | Kein Weg | Ja |
| Peru18 | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | Ja |
| Suriname19nicht betreut | 5 Jahre | 2 Jahre | Kein Weg | Nein |
| Uruguay20 | 5 Jahre | 3 Jahre | 3 Jahre | Ja |
| Venezuela21nicht betreut | 10 Jahre | 5 Jahre | Kein Weg | Ja |
Aufenthalt ist die typische Mindest-Gesamtdauer ab legaler Residenz bis zur Antragsberechtigung. Heirat und Kind zeigen den verkürzten Weg, wenn es ihn gibt: Ohne Frist heißt, der Weg existiert ohne eigene Wartezeit, Kein Weg heißt, das Land kennt diese Verkürzung nicht, Unbekannt heißt, wir konnten es am Gesetzestext nicht belegen und schreiben lieber nichts hin. Jede Zeile am 8. August 2026 gegen Verfassung, Staatsangehörigkeitsgesetz oder Migrationsbehörde geprüft. Alle Angaben ohne Gewähr, im Einzelfall zählt die aktuelle Auskunft der Behörde.
- 1. Argentinien: Rechtslage in Bewegung. Das DNU 366/2025 hatte die Artikel 3 bis 5 der Ley 346 gestrichen und die Zuständigkeit von den Bundesgerichten zur Migrationsbehörde verschoben; die Cámara Nacional Electoral hat das Dekret am 30. Juni 2026 für absolut nichtig erklärt. Damit lebt Artikel 3 der Durchführungsverordnung wieder auf, der Ehepartnern und Eltern eines argentinischen Kindes die Einbürgerung ohne eigene Wartefrist eröffnet. Die amtlichen Textfassungen bilden das noch nicht ab. Vor jedem Schritt aktuell prüfen. Quelle: Ley 346 (konsolidierte Fassung, Cámara Nacional Electoral); Decreto 3213/84 Art. 3 lit. f; Urteil CNE vom 30.06.2026.
- 2. Belize: Der Belizean Nationality Act verlangt fünf Jahre gewöhnlichen Aufenthalt (Section 10) und lässt bei Ehe mit einem belizischen Staatsbürger ein Jahr genügen (Section 11). Die Anwesenheitsregel ist streng: nicht mehr als 30 Tage am Stück und nicht mehr als drei Monate in zwölf Monaten außer Landes. Der wirtschaftliche Einbürgerungsweg (Section 12) steht zwar noch im Gesetz, das Programm wird nicht mehr betrieben. Quelle: Belizean Nationality Act, Cap. 161, Sections 10 bis 12.
- 3. Bolivien: Artikel 142 der Verfassung senkt die drei Jahre auf zwei, wenn ein bolivianischer Ehepartner oder ein bolivianisches Kind vorliegt. Quelle: Constitución Política del Estado Art. 141 und 142; Ley 370 de Migración.
- 4. Brasilien: Artikel 66 des Migrationsgesetzes kürzt die vier Jahre auf ein Jahr, wenn ein brasilianisches Kind oder ein brasilianischer Ehe- oder Lebenspartner vorliegt. Das in Brasilien geborene Kind ist mit der Geburt Brasilianer, damit greift die Ein-Jahres-Frist auch für Eltern ohne brasilianischen Partner. Quelle: Lei 13.445/2017 (Lei de Migração) Art. 65 und 66; CF Art. 12.
- 5. Chile: Die verkürzten Wege sind neu und in älteren Übersichten meist nicht enthalten: Artikel 85 der Ley 21.325 kennt die nacionalización calificada nach zwei Jahren für Ehepartner (mindestens zwei Jahre verheiratet, Ehe in Chile registriert) und für Verwandte bis zum zweiten Grad, worunter das chilenische Kind fällt. Kinder ausländischer Durchreisender sind vom Geburtsortprinzip ausgenommen, können aber optieren. Quelle: Ley 21.325 de Migración y Extranjería Art. 85; DS 5142; Constitución Art. 10 Nr. 1.
- 6. Costa Rica: Sieben Jahre für den deutschsprachigen Raum, fünf nur für Mittel- und Iberoamerikaner sowie Spanier. Bei Ehe zwei Jahre verheiratet und zwei Jahre im Land. Für Eltern eines costa-ricanischen Kindes gibt es keine verkürzte Einbürgerung, wohl aber sofort die permanente Residenz über den Verwandtschaftsstatus. Das in Costa Rica geborene Kind ausländischer Eltern wird nicht automatisch Staatsbürger, sondern durch Eintragung. Quelle: Constitución Política Art. 13 und 14; Ley 1155 de Opciones y Naturalizaciones.
- 7. Dominikanische Republik: Sechs Monate Aufenthalt genügen bei bestehender Ehe mit einem Dominikaner (Ley 1683 Art. 1 Nr. 4), nicht null. Das Geburtsortprinzip ist seit der Verfassung von 2010 und dem Urteil 168-13 des Verfassungsgerichts eingeschränkt: Kinder von Eltern in Durchreise oder ohne regulären Aufenthaltsstatus erwerben die Staatsangehörigkeit nicht. Quelle: Ley 1683 sobre Naturalización Art. 1; Constitución Art. 18 Nr. 3; TC-Urteil 168-13.
- 8. Ecuador: Die fünf Jahre sind die Gesamtdauer ab erster legaler Residenz: 21 Monate temporäre Residenz bis zur permanenten, dann drei Jahre permanente Residenz bis zur Antragsberechtigung. Das Gesetz nennt nur die drei Jahre. Bei Ehe oder eingetragener unión de hecho genügen zwei Jahre ab Eheschließung. Für Eltern eines ecuadorianischen Kindes führt die Verfassungsliste keinen eigenen Einbürgerungsweg, die Residenz über den Verwandtschaftsstatus gibt es aber. Höchstens 180 Tage Abwesenheit pro Jahr. Quelle: Ley Orgánica de Movilidad Humana Art. 63, 70 und 71; Constitución Art. 7 und 8.
- 9. El Salvador: Artikel 92 der Verfassung: fünf Jahre für Ausländer jeder Herkunft, ein Jahr für Spanier und Hispanoamerikaner von Geburt, zwei Jahre Aufenthalt bei Ehe mit einem Salvadorianer, wobei diese zwei Jahre vor oder nach der Eheschließung liegen dürfen. Quelle: Constitución de la República Art. 90 und 92.
- 10. Guatemala: Fünf Jahre Domizil mit engen Abwesenheitsgrenzen sind belegt (Ley de Nacionalidad Art. 33). Ob das Gesetz daneben einen verkürzten Weg für Ehepartner oder Eltern eines guatemaltekischen Kindes kennt, ließ sich am Prüfstichtag nicht am Volltext belegen: die Verfahrensseite des zuständigen Ministeriums nennt keinen, das Gesetz selbst war nicht in belastbarer Volltextfassung zugänglich. Deshalb hier ausdrücklich unbekannt statt einer Null. Offen zur Nachrecherche am Gesetzestext. Quelle: Ley de Nacionalidad, Decreto 1613 Art. 32 und 33; Constitución Art. 144 und 146; Verfahrensangaben Gobernación Departamental.
- 11. Honduras: Artikel 24 Nr. 6 der Verfassung nennt Ausländer, die mit einem gebürtigen Honduraner verheiratet sind, ohne eine eigene Wartefrist zu setzen. Für Eltern eines honduranischen Kindes führt die abschließende Liste keinen Weg. Mittelamerikaner ein Jahr, Spanier und Iberoamerikaner zwei. Quelle: Constitución de la República Art. 23 und 24.
- 12. Kolumbien: Fünf Jahre Domizil ab Ausstellung des Resident-Visums, zwei Jahre bei Ehe, eingetragener Partnerschaft oder kolumbianischen Kindern. Das Geburtsortprinzip greift nur, wenn mindestens ein Elternteil in Kolumbien domiziliert ist (Verfassung Art. 96 Nr. 1 lit. a). Touristische Anwesenheit bei der Geburt genügt nicht. Quelle: Constitución Política Art. 96; Ley 43 de 1993 Art. 4 und 5.
- 13. Kuba: Papier und Praxis fallen hier weit auseinander. Fünf Jahre permanente Residenz, zwei Jahre für Ehepartner und Eltern eines gebürtigen Kubaners, dazu ein Staatsbürgerkundetest und zwei Bürgschaften von gebürtigen Kubanern ohne Verwandtschaft zum Antragsteller. Die Einbürgerung gilt weiterhin als Ausnahmeweg und ist für Zuwanderer aus dem deutschsprachigen Raum praktisch kein planbarer Pfad. Kuba hat im Mai 2026 erstmals ein eigenes Staatsbürgerschaftsgesetz veröffentlicht, das nach einer Frist von 180 Tagen in Kraft tritt. Quelle: Constitución de 2019 Art. 34 und 35; Ley de Ciudadanía, veröffentlicht Mai 2026 (Gaceta Oficial).
- 14. Mexiko: Artikel 20 des Nationalitätengesetzes: fünf Jahre regulär, zwei Jahre für Eltern mexikanischer Kinder von Geburt sowie für Latein- und Iberoamerikaner. Bei Ehe zwei Jahre Aufenthalt und nachgewiesenes Zusammenleben im gemeinsamen Ehedomizil in Mexiko. Quelle: Ley de Nacionalidad Art. 19 und 20; Constitución Art. 30.
- 15. Nicaragua: Vier Jahre ab permanenter Residenz, zwei Jahre bei fortbestehender Ehe mit einem Nicaraguaner. Für Eltern eines nicaraguanischen Kindes sieht das Gesetz keinen verkürzten Weg vor. Entscheidend für Leser aus dem deutschsprachigen Raum: die Einbürgerung verlangt den Verzicht auf die bisherige Staatsangehörigkeit. Quelle: Ley 149 de Nacionalidad Art. 7, 8 und 9; Constitución Art. 20.
- 16. Panama: Fünf Jahre regulär, drei Jahre bei panamaischem Ehepartner oder in Panama geborenen Kindern panamaischer Eltern. Artikel 10 der Verfassung verlangt vom Eingebürgerten ausdrücklich den Verzicht auf die bisherige Staatsangehörigkeit sowie Spanischkenntnisse und einen Test zu Geografie, Geschichte und Staatsaufbau. Quelle: Constitución Política Art. 9 und 10.
- 17. Paraguay: Artikel 148 der Verfassung nennt vier Voraussetzungen und keine Verkürzung, weder für Ehepartner noch für Eltern eines paraguayischen Kindes. Die drei Jahre zählt der Oberste Gerichtshof in der Praxis ab der permanenten Residenz, nicht ab der Einreise. Quelle: Constitución Nacional Art. 146 und 148.
- 18. Peru: Frist mit Ablaufdatum. Es gelten weiter zwei Jahre nach der Ley 26574. Die Ley 32421 vom 15. August 2025 hebt die reguläre Frist auf fünf Jahre an, verlangt einen Präsenztest und ein Jahreseinkommen von mindestens zehn UIT; für Ehepartner und Eltern eines peruanischen Kindes bleibt es bei zwei Jahren. Das Gesetz tritt erst am Tag nach Veröffentlichung seiner Durchführungsverordnung in Kraft, die zum Prüfstichtag noch aussteht. Wer jetzt die Voraussetzungen schafft, sichert sich die kurze Frist. Quelle: Ley 26574 und DS 004-97-IN; Ley 32421 vom 15.08.2025 (noch nicht in Kraft); Constitución Art. 52.
- 19. Suriname: Die auffälligste Korrektur der Tabelle. Suriname kennt kein allgemeines Geburtsortprinzip: das Staatsangehörigkeitsgesetz von 1975 folgt der Abstammung, ein im Land geborenes Kind ausländischer Eltern wird nur dann Surinamer, wenn es sonst staatenlos bliebe. Fünf Jahre Domizil für die Einbürgerung, zwei Jahre gemeinsames Domizil im Optionsverfahren für Ehepartner. Doppelte Staatsangehörigkeit wird nicht anerkannt. Quelle: Wet op de Nationaliteit en het Ingezetenschap (Staatsverordnung vom 24.11.1975, zuletzt geändert 1983).
- 20. Uruguay: Hier ist die Tabelle bisher am stärksten daneben gelegen. Artikel 75 der Verfassung verlangt fünf Jahre nur ohne familiäre Bindung; mit familia constituida in Uruguay, also Ehepartner oder Kind im Land, sind es drei. Und Uruguay verleiht keine Staatsangehörigkeit, sondern die ciudadanía legal: die politischen Rechte greifen erst drei Jahre nach Ausstellung der Urkunde. Seit dem 23. April 2025 führt der Pass für alle Bürger einheitlich das Feld Nationality/Citizenship mit dem Code URY und nennt den Geburtsort nicht mehr, was das jahrzehntealte Reiseproblem der ciudadanos legales entschärft. Quelle: Constitución Art. 74 und 75; Ley 19.362; Anpassung der Reisedokumente durch die DNIC zum 23.04.2025.
- 21. Venezuela: Auf dem Papier zehn Jahre, fünf für Staatsangehörige Spaniens, Portugals, Italiens sowie lateinamerikanischer und karibischer Staaten, und fünf Jahre ab Eheschließung für Ehepartner. Für Eltern eines venezolanischen Kindes führt Artikel 33 keinen Weg. Praktisch ist das kein planbarer Pfad: die Jahreszahl beschreibt eine Norm, keine funktionierende Verwaltung. Quelle: Constitución de la República Bolivariana Art. 32 und 33; Ley de Nacionalidad y Ciudadanía (2004).
Zwölf dieser Länder betreue ich selbst, mit Kanzlei, Behördenwegen und Leuten vor Ort. Alle zwölf mit Steuersystem, Präsenzpflicht und Lebenshaltungskosten findest du auf der Länderübersicht. Die neun übrigen stehen hier, weil ein Vergleich nur dann etwas wert ist, wenn er vollständig ist: Ohne Venezuelas zehn Jahre und ohne Surinames fehlendes Geburtsortprinzip weißt du nicht, wie gut die Zwei-Jahres-Länder wirklich sind.
Sieben dieser neun haben inzwischen eine eigene Seite, in derselben Tiefe wie die zwölf und mit derselben klaren Ansage, wo ein Land als Standort nicht trägt: Bolivien, Dominikanische Republik, Guatemala, Honduras, Kuba, Nicaragua und Venezuela. In der Tabelle oben sind sie direkt anklickbar und bleiben als nicht betreut markiert. Willst du alle zwanzig Länder mit eigener Seite nebeneinander sehen, mit Steuersystem, Präsenzpflicht, CRS-Status und Kosten in einer Tabelle, dann nimm die Übersicht aller LATAM-Länder. Betreut werden weiterhin zwölf, und sie sind dort eigens ausgewiesen.
Tür 1, der Aufenthalt: was "Jahre" wirklich heißt
Die Spalte Aufenthalt ist die Standardfrist, und sie ist die am häufigsten missverstandene Zahl der ganzen Tabelle. Drei Dinge stecken darin, die niemand mitliest.
Erstens: Die Uhr beginnt nicht mit der Einreise, sondern mit der legalen Residenz. Residenz zuerst, Pass danach, in dieser Reihenfolge und nie anders. Wer ein Jahr als Tourist im Land war, hat null Jahre auf dem Konto. Wie lang der Gesamtweg von der ersten Aufenthaltsgenehmigung bis zum Pass in den Spitzenländern wirklich ist, steht in den fünf schnellsten Wegen zum zweiten Pass. In Paraguay zählt der Oberste Gerichtshof die drei Jahre in der Praxis erst ab der permanenten Residenz. In Kolumbien laufen die fünf Jahre ab Ausstellung des Resident-Visums, keinen Tag früher. In Ecuador setzt sich die Frist sogar aus zwei Etappen zusammen: 21 Monate temporäre Residenz, bis die permanente möglich wird, und darauf drei Jahre permanente Residenz. Das Gesetz nennt nur die drei Jahre, deine Lebensplanung braucht die knapp fünf.
Zweitens: Anwesenheit ist keine Formalie, sondern die Hürde. Belize erlaubt während der Wartezeit nicht mehr als 30 Tage am Stück und nicht mehr als drei Monate in zwölf Monaten außer Landes. Ecuador zieht die Grenze bei 180 Tagen im Jahr. Guatemala kennt enge Abwesenheitsschranken für die fünf Jahre. Und Argentinien hat mit dem Dekret von 2025 verlangt, dass die zwei Jahre ganz ohne Ausreise verbracht werden, eine Formulierung, die jeden mit internationalem Geschäft schlicht ausschließt. Wer den Pass will, muss meistens wirklich dort leben. Das ist kein Plan B im Hintergrund, das ist ein Umzug.
Drittens: Die Frist ist beweglich. Peru ist das lehrreichste Beispiel der Region. Es gelten weiter zwei Jahre, aber die Ley 32421 vom August 2025 hebt die reguläre Frist auf fünf an, verlangt einen Präsenztest und ein Mindesteinkommen. Sie tritt am Tag nach Veröffentlichung ihrer Durchführungsverordnung in Kraft, und die steht noch aus. Wer jetzt die Voraussetzungen schafft, sichert sich die kurze Frist. Wer zwei Jahre wartet, plant unter Umständen mit einer Zahl, die es dann nicht mehr gibt.
Zu den zwölf Ländern, die ich betreue, habe ich jeweils eine eigene Tiefe: Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Kolumbien, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru und Uruguay.
Tür 2, die Heirat: die Frist ist selten die ganze Prüfung
Die Heiratsspalte sieht nach Abkürzung aus, und manchmal ist sie das auch. Die Dominikanische Republik lässt bei bestehender Ehe sechs Monate Aufenthalt genügen statt zwei Jahren. Honduras nennt in Artikel 24 der Verfassung Ausländer, die mit einem gebürtigen Honduraner verheiratet sind, ganz ohne eigene Wartefrist. Brasilien geht von vier Jahren auf eines.
Aber die Jahreszahl ist hier fast nie die eigentliche Prüfung. Was tatsächlich entscheidet:
Die Ehe muss bestehen, und zwar nachweisbar gelebt. Mexiko verlangt in Artikel 20 des Nationalitätengesetzes nicht nur zwei Jahre Aufenthalt, sondern das nachgewiesene Zusammenleben im gemeinsamen Ehedomizil in Mexiko. Nicaragua knüpft die verkürzte Frist an das Fortbestehen des Ehebandes. Brasilien schließt aus, wer im Zeitpunkt der Einbürgerung rechtlich oder faktisch getrennt lebt. Eine Ehe auf dem Papier trägt diesen Weg nicht.
Die Ehe ersetzt die Sprache nicht. Panama verlangt vom Eingebürgerten Spanisch und einen Test zu Geografie, Geschichte und Staatsaufbau, auch auf dem verkürzten Drei-Jahres-Weg. Guatemala und Chile prüfen ebenfalls. Die Ehe kürzt die Wartezeit, nicht die Anforderungen.
Und der auffälligste Fall der Tabelle ist Chile. In fast jeder Übersicht steht bei Chile in beiden Spalten nichts, was gelesen wird als: gibt es nicht. Falsch. Artikel 85 der Ley 21.325 kennt seit 2021 die nacionalización calificada nach nur zwei Jahren, für Ehepartner, die mindestens zwei Jahre verheiratet und deren Ehe in Chile registriert ist. Damit fällt der stärkste Pass der Region von fünf Jahren auf zwei. Wer sich das genauer ansehen will: die chilenische Staatsbürgerschaft im Detail.
Umgekehrt gilt: Wo in der Tabelle Kein Weg steht, ist das eine Aussage, keine Lücke. Paraguay kennt in Artikel 148 seiner Verfassung vier Voraussetzungen und keine einzige Verkürzung, weder für Ehepartner noch für Eltern. Drei Jahre sind drei Jahre, für alle.
Tür 3, das Kind und das Geburtsortprinzip: der stärkste Hebel der Region
Hier liegt der eigentliche Grund, warum Lateinamerika für Familien schlägt, was Europa zu bieten hat.
Ius Soli, das Geburtsortprinzip, heißt: Wer im Land geboren wird, ist Staatsbürger, unabhängig von der Staatsangehörigkeit der Eltern. Das Kind ist damit von Tag eins Argentinier, Brasilianer oder Mexikaner, mit vollem Pass, ohne Wartezeit, ohne Prüfung. Und in vielen Ländern zieht das Kind dann die Eltern nach: Brasilien senkt für Eltern eines brasilianischen Kindes von vier Jahren auf ein Jahr, Mexiko und Kolumbien von fünf auf zwei, Bolivien von drei auf zwei, Panama von fünf auf drei. In Chile fällt das chilenische Kind unter die Verwandten zweiten Grades und öffnet damit ebenfalls die Zwei-Jahres-Tür.
Jetzt die harte Bedingung, an der das in der Praxis scheitert, und die auf der alten Vergleichsseite nur in einem Nebensatz stand: Alle Beteiligten brauchen zum Zeitpunkt der Geburt und durchgehend während der Wartezeit bis zur Antragstellung einen gültigen Aufenthaltstitel. Nicht Tourist. Nicht "wir waren gerade da". Nicht "das Visum lief zwischendurch mal zwei Monate aus". Das Kind bekommt in den meisten dieser Länder seinen Pass trotzdem, aber der verkürzte Weg der Eltern hängt an der lückenlosen Legalität der Eltern. Wer das Kind als Türöffner plant und die Residenz danach ordnet, hat die Reihenfolge umgedreht und verliert Jahre.
Und dann gibt es drei Länder, in denen das Geburtsortprinzip nicht so gilt, wie überall behauptet wird. Genau hier war die alte Tabelle am schwächsten, denn sie schrieb bei allen 21 Ländern schlicht "Ja":
Und ein Land hat gar keins: Suriname folgt der Abstammung. Ein dort geborenes Kind ausländischer Eltern wird nur Surinamer, wenn es sonst staatenlos bliebe. Wer Suriname wegen des Geburtsortprinzips auf der Liste hatte, kann es streichen.
Wie sich dieser Hebel für eine Familie konkret planen lässt, habe ich im Jus Soli und der Kind-Fast-Track aufgeschrieben. Für die Länder, in denen dieser Hebel voll greift, lohnt der tiefere Blick: der brasilianische Weg ist der eleganteste der Region, und Argentiniens schneller Pass der bekannteste. Bei Argentinien lies bitte den Praxishinweis in der Tabelle: Das Dekret 366/2025 hatte die Familienwege gestrichen, die Cámara Nacional Electoral hat das Dekret am 30. Juni 2026 für nichtig erklärt, und die amtlichen Textfassungen bilden das noch nicht ab. Das ist der volatilste Eintrag der ganzen Liste.
Was die Tabelle nicht zeigt
Vier Dinge stehen in keiner Spalte und entscheiden trotzdem, ob der Pass etwas taugt.
Passstärke. Zwei Jahre für einen Pass, mit dem du nirgends hinkommst, sind keine zwei Jahre gut investiert. Die Spanne innerhalb dieser 21 Länder ist enorm, und der Henley Passport Index zeigt sie deutlich. Chile ist der einzige Pass der Region mit US-Visa-Waiver, Brasilien und Argentinien reisen ausgezeichnet, andere in der Liste deutlich schlechter. Welcher Pass wie weit trägt, habe ich in den fünf stärksten Pässen Lateinamerikas aufgeschlüsselt. Tempo und Stärke sind zwei verschiedene Kriterien, und sie zeigen selten auf dasselbe Land.
Doppelstaatlichkeit im Zielland. Drei Länder dieser Liste verlangen, dass du deinen bisherigen Pass abgibst: Panama ausdrücklich in Artikel 10 seiner Verfassung, Nicaragua im Nationalitätengesetz und Suriname, das doppelte Staatsangehörigkeit nicht anerkennt. Für die meisten Mandanten ist das ein Ausschlusskriterium, und es steht in keiner Jahresspalte.
Was du am Ende bekommst. Uruguay verleiht keine Staatsangehörigkeit, sondern die ciudadanía legal. Die politischen Rechte greifen erst drei Jahre nach Ausstellung der Urkunde, und jahrzehntelang führte der Pass eingebürgerter Uruguayer den Geburtsort statt Uruguay, was an Grenzen regelmäßig zu Problemen führte. Seit dem 23. April 2025 ist das repariert: Der Pass führt für alle einheitlich das Feld Nationality/Citizenship mit dem Code URY und nennt den Geburtsort nicht mehr. Ein gutes Beispiel dafür, dass eine Jahreszahl über die Qualität des Ergebnisses nichts aussagt.
Die echte Bearbeitungszeit. Die Frist ist die Antragsberechtigung, nicht der Pass in der Hand. Perus neues Gesetz nennt selbst 18 Monate Verfahrensdauer, verlängerbar um sechs. Argentiniens Verfahren steckt zwischen Gerichten und Behörde. Und bei Kuba und Venezuela beschreiben die Jahreszahlen eine Norm, keine funktionierende Verwaltung: Beide Zeilen stehen in der Tabelle der Vollständigkeit halber, nicht als Empfehlung. Rechne bei jedem Land ein bis zwei Jahre Verfahren auf die Frist.
Ein Wort zur Abgrenzung, weil die Frage in jedem zweiten Gespräch kommt: Einbürgerung und Staatsbürgerschaft durch Investition sind zwei verschiedene Produkte. Die Karibik verkauft Pässe gegen Geld in wenigen Monaten und ohne Wohnsitz, Lateinamerika verlangt Zeit und echtes Leben im Land, dafür ohne sechsstellige Zahlung. Wer über die karibische Route nachdenkt, findet die Inseln bei den fünf besten Karibik-Auswanderzielen und die Programmseite bei Plan B Projekt. Auf dieser Seite geht es um den anderen Weg.
Die Seite zu Hause: erst klären, dann einbürgern
Der zweite Pass ist die eine Hälfte. Was er mit deiner ersten Staatsangehörigkeit macht, ist die andere, und die Regeln sind für Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sehr unterschiedlich.
Deutschland: Seit dem 27. Juni 2024 ist die Sache entspannt. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts hat den früheren Paragrafen 25 gestrichen, der den automatischen Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit beim Erwerb einer ausländischen anordnete. Im Staatsangehörigkeitsgesetz steht die Norm heute als weggefallen. Wer aus Deutschland einen argentinischen oder brasilianischen Pass annimmt, bleibt Deutscher. Die Beibehaltungsgenehmigung, jahrelang der große Stolperstein, ist Geschichte.
Österreich: Genau umgekehrt, und hier passieren die teuren Fehler. Österreich verliert man bei freiwilligem Erwerb einer fremden Staatsangehörigkeit weiterhin automatisch. Die Beibehaltungsbewilligung muss schriftlich beantragt und bescheidmäßig genehmigt sein, bevor du die neue Staatsbürgerschaft erwirbst. Danach ist es zu spät, und zwar endgültig. Zuständig ist die Staatsbürgerschaftsabteilung der jeweiligen Landesregierung, die Bewilligung gilt befristet auf zwei Jahre, und sie setzt einen besonders berücksichtigungswürdigen Grund im Privat- und Familienleben voraus. Die Details stehen beim Außenministerium. Für Österreicher ist das der erste Schritt, nicht der letzte.
Schweiz: Die Schweiz akzeptiert Mehrfachbürgerrecht seit 1992 ohne Auflagen. Ein Schweizer, der Chilene wird, bleibt Schweizer, ohne Antrag und ohne Frist. Die Grundlagen dazu beim Staatssekretariat für Migration.
Und der Grundsatz, den ich in jedem Gespräch wiederhole: Der Pass ist nicht der Steuerwohnsitz. Eine Staatsbürgerschaft macht dich nirgends automatisch steuerpflichtig, aber der Aufenthalt, den fast alle diese Länder für die Einbürgerung verlangen, sehr wohl. Zwei Jahre echte Anwesenheit in Argentinien oder Peru bedeuten Steueransässigkeit in einem Welteinkommensland. Und auf der deutschen Seite steht die Wegzugsbesteuerung nach Paragraf 6 AStG, die stille Reserven auf Kapitalgesellschaftsanteile beim Wegzug sofort besteuert, unabhängig davon, ob du je einen Euro realisiert hast. Wie das sauber läuft, steht ausführlich bei unseren Kollegen zur Wegzugsbesteuerung. Diese Rechnung gehört vor die Länderwahl, nicht danach.
So gehst du das an
Die Tabelle beantwortet die Frage "wo geht es schnell". Sie beantwortet nicht die Frage "was ist für mich der richtige Weg", und die beiden Antworten fallen fast nie zusammen. Ein Unternehmer mit deutscher GmbH und laufendem Geschäft braucht eine andere Reihenfolge als ein Paar mit Kinderwunsch, und ein Österreicher braucht vor allem anderen die Beibehaltungsbewilligung.
Drei Schritte, in dieser Reihenfolge. Erstens die Heimatseite klären: Verlierst du deine Staatsangehörigkeit, und was kostet dich der Wegzug steuerlich? Zweitens den Weg wählen, nicht das Land: Aufenthalt, Heirat oder Kind führen zu völlig unterschiedlichen Ländern auf Platz eins. Drittens erst dann die Residenz beantragen, denn vor jeder Einbürgerung steht die Aufenthaltsgenehmigung, und die Uhr für den Pass beginnt erst mit ihr zu ticken. Wie schnell diese erste Stufe zu erreichen ist, unterscheidet sich stark: Paraguay und Panama sind unkompliziert, andere verlangen deutlich mehr. Das Ranking der kürzesten Gesamtwege habe ich in den fünf schnellsten Wegen zum zweiten Pass aufgeschrieben, und wer den ganzen Bogen von der Residenz bis zum Pass sehen will, findet ihn beim Zweitpass durch Einbürgerung.
Wenn du wissen willst, welches dieser 21 Länder zu deinem Vermögen, deiner Familie und deinem Tempo passt, dann fangen wir nicht bei der Tabelle an, sondern bei dir. Die kostenlose Potenzialanalyse ist der schnellste Einstieg, und für alles Weitere buch dir ein Gespräch mit mir.
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Carpe Diem. Das Leben ist kurz und vergänglich. Ein Schuss. Mach was draus.

